GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Gabathuler, Alice
Titel Starkstrom
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-522-20018-9 Reihe
Verlag Thienemann, Stuttgart, 2009
Seitenzahl 251 Preis 13,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Adoleszenzroman
Zielgruppe 12-13
14-15
16-17
Inhaltsangabe Der 15-jährige Jonas lebt mit seiner Familie in einem Bergdorf in der Schweiz. Das Verhältnis zum Vater ist schwierig, die Musik von AC/DC sein einziger Trost. Da sucht eine Überschwemmung das Dorf heim und trifft auch das Haus von Jonas’ Familie. Chaos bricht aus. Wird es dem Jungen gelingen, trotzdem seinen Weg zu gehen?
Beurteilungstext Alice Gabathulers Geschichte beginnt mit dem Klischee eines typischen Teenagers. Laute Rockmusik und das Gefühl, nicht verstanden zu werden bestimmen die kurze Einleitung. Dann geht es Schlag auf Schlag. Die Überschwemmung zerstört das halbe Dorf, der Vater weigert sich, das Haus zu verlassen und die unter Schock stehende Mutter ist mit der ganzen Situation hoffnungslos überfordert. Jonas muss Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen. Da schließt der Vater einen Vertrag mit einem Fernsehsender, der es erlaubt, die Familie ständig zu beobachten und ins Rampenlicht zu holen. Jonas rebelliert. Mit Hilfe des Nachbars und der kleinen Schwester Emma schafft er es, sich aus der medialen Umklammerung zu lösen und sich durchzusetzen. Unterstützung bekommt er auch von Lili, in die er sich verliebt, und mit deren Hilfe sich schließlich alles zum Guten wendet.
Starke Kontraste beherrschen dieses Buch. Anfangs sind es die Mutter, die zärtlich Mama genannt wird und der Vater, der nicht mit einem Kosenamen angesprochen wird und stets als harter, strenger, gefühlloser Familientyrann auftritt. Später sind es die Mutter, die durch den Schock verwirrt ist und der vermeintlich irre Nachbar, der sich als völlig normal entpuppt. Und schließlich Lili, die erste zarte Gefühle weckt und deren Mutter, die penetrant ihre Nase in das Leben der Familie steckt.
Jonas als Protagonist steht in der Tat unter Starkstrom: er wird ungewollt in die Rolle des Entscheiders gedrängt und kann dieser Situation nicht gewachsen sein. Nach großer Wut folgen demnach Resignation und Enttäuschung. So sollte kein Jugendlicher ins Erwachsenenleben gestoßen werden. Nach einer Phase der Ohnmacht schlägt er zurück und gewinnt die Oberhand, am Ende kann der Leser aufatmen. Jonas findet seinen Weg, jedoch bleibt das Schicksal der Familie ungeklärt. Die Entscheidung des Vaters bleibt unerwähnt, ist für Jonas aber auch nicht mehr von großer Bedeutung.
Der Spannungsbogen wird geschickt aufgebaut, wobei die zweite Hälfte des Buches entschieden interessanter gehalten ist. Die Geschichte ist mit ihren unerwarteten Wendungen immer für eine Überraschung gut. Die sechs Kapitel sind mit den einzelnen Uhrzeiten überschrieben, die geballte Handlung geschieht in nur einer Woche. Auch für Leser, die Rockmusik im Allgemeinen und AC/DC im Besonderen nicht mögen, ist dieses Buch interessant; für Fans ist dieser Nebenschauplatz natürlich ein Extra-Bonbon.
Dieser Roman, der in die Tiefe jugendlicher Gefühle geht, kann für Jungen und Mädchen ab 12 nur empfohlen werden.

Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 PIGI, Nordrhein-Westfalen

  in der AJuM Datenbank Ja
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