GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Benrath, Ruth Johanna
Titel Rosa Gott, wir loben dich
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-86521-879-7 Reihe
Verlag Steidl, Göttingen, 2009
Seitenzahl 176 Preis 16 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Entwicklungsroman
Zielgruppe 14-15
16-17
Inhaltsangabe Marie lernt in der Theater-AG Ravi kennen, sie verlieben sich. Der strenge Vater mit strikten Grundsätzen untersagt ihr den Umgang. Für Marie, die ihren Vater liebt aber auch fürchtet, wird es zunehmend schwieriger, Leben in der Familie und als Teenager in der Schule zusammenzubringen. Als ihre Mutter psychisch krank in eine Klinik eingeliefert wird, kann Marie die väterlichen Regeln, Versorgung des Haushalts, Schule und ihre Identitätssuche immer weniger miteinander in Einklang bringen.
Beurteilungstext Benrath legt einen spannenden Roman vor, der in erster Linie interessant für Leser sein wird, die in den 1970/1980er Jahren Kind waren, da ihnen die Gesellschaftsvorstellungen, Politik, Musik, Mode, Kultur vertraut sind, fuer sie ist glasklar, worauf Benrath in dem schmalen Band mit kurzen Sätzen Bezug nimmt. Der Roman wirkt für sie wie eine Reise in eine sehr bekannte Umgebung.
Jugendliche Leser lesen diesen Entwicklungsroman veilleicht schon fast wieder als "historischen Roman" , da sich Wertvorstellungen und Gepflogenheiten bei genauem Hingucken in den letzten 40 Jahren sehr verändert haben. Benrath schildert das Einsetzen der Pubertät und die Probleme, die sich daraus ergeben, dass die Protagonistin Marie sich mit ihrem Körper, den angespannten Verhältnissen zuhause und dem Bedürfnis, ihre eigene Identität zu ergründen, auseinandersetzen muss, einfühlsam und durchaus spannend. Durch den personalen Erzaehler und die ununterbrochene beobachtende Schilderung aller Gedanken und Vorgänge wird der fast unmittelbare Blick in Maries Seelenleben gewaehrt und gleichzeitig die intensive Wahrnehmung der Umwelt, die uebermaechtig auf sie einwirkt: sie kann dem Druck, den der Vater auf sie ausübt, den die psychische Krankheit ihrer Mutter für die ganze Familie bedeutet, nicht mehr standhalten und dabei gleichzeitig ihre Gefühle fuer Ravi, die neue Mitschülerin Lisa, wie auch das Bild, das sie von sich selbst formen möchte, kontrollieren. Der einzige Ausweg scheint zu sein, endlich Ruhe vor all diesen von außen und durch sich selbst auferlegten Forderungen zu haben, ein Selbstmordvesuch ist das Ergebnis.
Benrath gelingt es, die späten siebziger Jahre in ihrem bewusstseinsstromartigen Stil wiederauferstehen zu lassen und gleichzeitig individuelle Probleme einzuweben, die heute genauso jemandem zu schaffen machen können, der seinen eigenen Weg sucht: der Kleinstadtmief, das familiäre religiöse Korsett, die besondere familiäre Situation durch die psychisch angegriffene Mutter, Vorurteile gegen (vermeintlich) Andersgläubige oder Menschen anderer ethnischer Abstammung. Das explosive Gemisch untermalt von neuer Rockmusik, neuer Sexualmoral, erster Bekanntschaft mit lesbischer Liebe stellt Benrath lebendig und einühlsam dar; dass Marie um Haaresbreite ein Kollateralschaden der sich ändernden Gesellschaftsvorstellungen und ihrer Identitätssuche wird, bei der ihr niemand hilft, geht unter die Haut, wird glaubwürdig vermittelt.
Fuer "erwachsene" Leser genaus empfehlenswert wie für jugendliche Leserinnnen, die Interesse haben am Deutschland der 70/80 Jahre, in dem ihre Eltern aufgewachsen sind.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 EHU, Schleswig-Holstein

  in der AJuM Datenbank Ja
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