GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Bauer, Michael Gerard
Titel Nennt mich nicht Ismael
Übersetzer / Originalsprache Mihr, UteEnglisch
Illustrator
ISBN 978-3-423-62435-0 Reihe Reihe Hanser
Verlag dtv, München, 2009
Seitenzahl 352 Preis 13,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Klassenlesestoff
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Adoleszenzroman
Zielgruppe 12-13
14-15
Inhaltsangabe Mit dem Namen Ismael wird man zum Gespött seiner Mitschüler, auch wenn so der Erzähler von “Moby Dick” heißt. Diese Erfahrung macht der 14jährige Neuntklässler I. Leseur. Er wird das Opfer des Klassenrambos Barry Bagsley. Das ändert sich aber mit dem neuen Mitschüler James Scobie. Der ist eloquent und hat vor niemandem Angst. Er gründet einen Debattierclub und macht aus Ismael einen selbstbewußten Redner und mutigen Jungen. Damit steigen auch seine Chancen bei der angebeteten Kelly.
Beurteilungstext Natürlich ist dieser Jugendroman ein Buch voller Komik, Humor, Ironie und einem geradezu unschlagbaren Wortwitz, wie es in den Feuilletons zu lesen war. Es ist aber überdies ein ausgesprochen anspruchsvolles Buch und nichts für Leser, die besonderen Wert auf “action” und Spannung legen. Das alles gibt es zwar auch, jedoch auf eine eher hintergründige Art. Das liegt an der Erzählweise des Ich-Erzählers und Protagonisten Ismael Leseur, der zu Beginn des neuen Schuljahrs das Opfer des Klassenrowdys Barry Bagsley und seiner Bande wird. Ismael berichtet von Mobbing wegen seines Vornamens, von seinen Versagensängsten (er nennt sich selber Bürgermeister von Versagenhausen), von seinen Komplexen der jüngeren Schwester gegenüber, die angeblich ein Genie ist, und von seinen ganz und gar konfusen Gefühlen für Kelly Faulkner, die irgendetwas mit Liebe zu tun haben müssen. Er schildert aber auch den Prozess einer Veränderung. Wie nämlich aus dem verzagten Schüler Ismael ganz allmählich ein mutiger Junge wird, der dank neu erworbener rhetorischer Fähigkeiten dem Ekel Barry Contra bieten kann. Das aber verdankt er dem zweiten Helden dieses Buchs: James Scobie, dem merkwürdigen Neuen in der Klasse, der dem Großmaul und Muskelprotz Barry mit großer Eloquenz und intellektueller Überlegenheit begegnet. Sein Geheimnis: Er hat vor nichts und niemandem Angst, denn eine Gehirnoperation hat seine gesamte Angst für immer aufgezehrt. Ein durchaus ernstes Thema, das hier behandelt wird. Jemand erlangt durch eine schwere Krankheit neue Fähigkeiten und kann damit Schwächeren helfen. Scobie gründet nämlich einen Debattierclub und Ismael wird - nicht ganz freiwillig - Mitglied. In diesem Debattierclub gilt es Teamgeist zu entwickeln, um gegen Clubs anderer Colleges antreten zu können. Beispielsweise gegen den vom Lourdes Girls College. Dort begegnet Ismael der kecken Kelly. Das stürzt ihn in eine unbekannte Gefühlswelt, die er mit viel Sprachwitz und Selbstironie schildert.

Ein Thema, das den gesamten Roman durchzieht, ist der Wettkampf. Zuerst in Kapitel 14, wo “Barry, der Böse gegen James Grimasse” antritt und dann weiter im folgenden, wo der rhetorische Schlagabtausch von Ismael in der Art eines Boxkampfs beschrieben wird. Klar, dass stets James Scobie als Sieger daraus hervorgeht. Grandios auch, wie der Erzähler ein Rugby-Spiel kommentiert, fast wie eine packende Sportreportage, als Scobie seiner Schulmannschaft zum Sieg verhilft durch eine selbstgedichtete und vorgetragenen Hymne. Auch hierbei spielen Rhetorik und Eloquenz eine große Rolle.

Am Ende des Schuljahrs begegnen wir einem Ismael, der trotz einiger Rückschläge soviel Selbstbewusstsein und Sprachgewandtheit erworben hat, dass er nun seinerseits für gemobbte Klassenkameraden eintreten kann. Das Wichtigste jedoch ist, dass er trotz allem darauf verzichtet, sich öffentlich an Barry Bagsley zu rächen, obwohl er dazu eine fabelhafte Gelegenheit gehabt hätte. Eine großartige Leistung für einen 14jährigen Collegejungen. Der Leser wünscht ihm dafür als Belohnug viel Glück bei der Verfestigung der zarten Bande zu Kelly, aber das steht vielleicht dann in einer Fortsetzung...

Diesen Jugendroman möchte man jedem Deutschlehrer - vielleicht auch einem, der Ethik unterrichtet - dringend als Klassenlektüre empfehlen. Einerseits wegen der Thematik, aber andererseits auch wegen des Sprachwitzes der handelnden und diskutierenden Protagonisten.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 bifi, Bayern

  in der AJuM Datenbank Ja
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