GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Thiel, Christiane
Titel Mein Gott und ich - Ein Roman über die Weltreligionen
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-401-06370-6 Reihe
Verlag Arena, Würzburg, 2009
Seitenzahl 216 Preis 9,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Klassenlesestoff
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Adoleszenzroman
Zielgruppe 12-13
14-15
16-17
ab 18
Inhaltsangabe Im Rahmen des Wettbewerbs „Denk weiter! Leb anders!“ erleben neun Jugendliche für eine Woche den Alltag religiös unterschiedlich orientierter Familien und finden neue Zugänge zu ihrem religiösen Selbstverständnis und den Problemen in ihrer Clique.
Beurteilungstext Steffi und Jonas, Redakteure der Schülerzeitung „Große Fresse“ sind bei ihren Recherchen neugierig auf Religion geworden. Jonas hat auf einem evangelikalen Jugendcamp Ausländerfeindlichkeit, Geschichtsverblendung und fundamentale Einstellungen erlebt; Steffi setzt sich mit Mädchen auseinander, die als halbe Kinder selbst Mütter werden, weil ihnen in ihren evangelikalen Familien sexuelle Aufklärung fehlt.
Mit ihren Berichten finden sie wenig Resonanz. Nur Britta, eine fast siebzig jährige Professorin, eine bekennende Christin, die für Toleranz und politische Verantwortung eintritt, stellt sich auf ihre Seite. Zusammen entwickeln sie einen Online-Wettbewerb, der einen ungewöhnlichen Weg sucht, sich mit Religion auseinander zusetzen, nämlich in das Leben von Gläubigen einzutauchen und unmittelbare, persönliche Erfahrungen zu sammeln.
In der Flut von Bewerbungen fallen ihnen die einer Jugendclique auf, die sich auf Drängen eines ihrer Mitglieder gemeldet haben in der Hoffnung, die Fragen und Widersprüche der Gruppe zu kultureller Identität, Religion, Angst und Wut einer Lösung näher zu bringen.

Es gelingt, die Jugendlichen in acht Familien unterzubringen, bei denen sie das Leben als Christ, Jude, Moslem Buddhist oder Hindu im Alltag erleben.
Aus der widerwillig angenommenen Bedingung, mindestens einmal am Tag ihre jeweiligen Erfahrungen auszutauschen, entwickelt sich ein anregender und hilfreicher Diskurs.
Im Mittelpunkt der unterschiedlichen Entdeckungen und Entwicklungen steht die zunächst rätselhafte Figur eines russlanddeutschen Jugendlichen, dessen ausweglose Familienperspektive, bestimmt durch die Gewalttätigkeit des Vaters, die Gruppe zu Mitwissern und Mittätern macht.
Nur mit dem nötigen Glück und der Kompetenz und der professionellen Zielstrebigkeit von Britta, der lebenserfahrenen Professorin, findet die Geschichte für alle ein glückhaftes Ende.
Den Beteiligten wird spannungsgeladen deutlich: Religion lässt sich kaum erklären, nur leben. Wir brauchen eine tiefe Nachdenklichkeit über neue Erfahrungen und müssen mehr Fragen stellen und ohne Vorurteile dem Ungewohnten, dem Unerwarteten einer fremden Gedankenwelt begegnen.

In den Aufzeichnungen des Blogs, den Erfahrungen und Anregungen der Jugendlichen entwickelt die Autorin ein spannendes und nah an der Wirklichkeit heutiger Jugend orientiertes Bild religiöser Problematik.
In diesem oft dramatischen Rahmen werden vielfältige Anregungen und Modelle verschiedenster religiöser Lebensentwürfe vor- und dargestellt. Die unsystematische, zufällige, bruchstückhafte Darstellung der Weltreligionen aus dem täglichen Leben gibt Einblicke und Durchblicke für Antworten und Anregungen für gelingendes Leben. Die strikte Anbindung an das so Alltägliche im Leben der Familien zeigt die vielfältige Menschlichkeit religiöser Praxis.

Auch wenn’s im Titel steht, das Buch ist kein Roman sondern ein Spiel mit verschiedenen Textsorten: Blogs, traditionelle Tagebucheinträge, Randnotizen zu Hintergrundwissen, Steckbriefe im Erfahrungsraum von Jugendlichen, deren Träume, Sorgen und Fragen.
Diese Vielfalt der Darstellung, ihre Offenheit, entspricht den Lesebedürfnissen heutiger Jugendlicher in besonderer Weise ...
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 Re, Niedersachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
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