GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Jud, Brigitte
Titel Mein Freund, der Bankräuber
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator Jud, Janine
ISBN 978-3-85580-462-7 Reihe
Verlag Blaukreuz, Bern, 2009
Seitenzahl 109 Preis 11,50 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Erzählung
Zielgruppe 8-9
10-11
Inhaltsangabe Mama Schreier schreibt einen Krimi, und damit der möglichst authentisch wird, sucht sie die Bekanntschaft des im Gefängnis einsitzenden Bankräubers Oskar. Aus der Arbeitsbeziehung wird Freundschaft, die sich auch auf die vier Kinder der Familie Schreier ausweitet. Als für Oskar der Tag der Entlassung ansteht, helfen ihm die Schreiers bei den ersten schweren Schritten in Freiheit.
Beurteilungstext Eine liebenswert chaotische kinderreiche Familie, eine Mama, die sich im Nähzimmer auf einer antiquarischen Schreibmaschine literarisch austobt, ein Bankräuber, der aus reiner Verzweiflung gehandelt hat, eigentlich ganz lieb ist und Oskar heißt und ein Schreiner namens Max, der mit den Kindern durch den Garten tobt anstatt zu arbeiten, das ist an Originalität kaum noch zu überbieten. Hinzu kommen lustige Scherzchen wie ein pubertierender Sohn, der aus Versehen seine Haare färbt, oder ein Papa, der sich Nächte um die Ohren schlägt, um eine vermeintliche Maus im Haus zu fangen, die sich dann als Ratte des Sohnes entpuppt. Das alles hat einen sooo langen Bart, dass es keinen mehr hinterm Ofen hervor lockt.
Brigitte Juds Darstellung eines Bankräubers geht stark an der Realität vorbei. Natürlich gibt es Menschen, die sich trotz einigermaßen gefestigten Charakters zu Straftaten hinreißen lassen und bitter dafür bezahlen. Doch in der Regel sind Bankräuber skrupellose gewaltbereite Kriminelle, die man nicht verharmlosen sollte. Frau Jud stellt Oskar regelrecht als Opfer dar, der nach der unverschuldeten Pleite seines Betriebes durch die sich anschließende Scheidung auch noch Frau und Tochter verloren hat und jetzt noch nicht mal eine schäbige Wohnung finden kann.
Der Autorin gelingt es nicht, Leben in ihre Geschichte zu bringen. Sie verzichtet nahezu völlig auf Spannungsbögen und setzt stattdessen auf gefühlsbetonte humorige oder rührende Szenen. Ihre Sprache ist fantasielos und regelrecht langweilig.
Die wenigen schwarz-weißen Zeichnungen sind freundlich und passen gut zum Text.
Insgesamt ist “Mein Freund, der Bankräuber” ein wenig attraktives Buch, das durch seinen Appell zu mehr Menschlichkeit noch eingeschränkt empfehlenswert ist.
Bewertung

 eingeschränkt empf.

Rezensent

 Spra, Hessen

  in der AJuM Datenbank Ja
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