GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Schilling, Regina
Titel Mach’s gut, Herr Wurst
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-414-82221-5 Reihe
Verlag Boje, Köln, 2009
Seitenzahl 159 Preis 12,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Erzählung
Zielgruppe 10-11
12-13
14-15
16-17
Inhaltsangabe Zusammen mit seiner Mutter und seinem nicht besonders attraktiven Hund hat Arno eine neue Wohnung im Haus der Bestattungsunternehmer-Familie Sandkuhl bezogen. Deren Tochter Viktoria ist Arno eigentlich zu dick, aber da sie (zunächst nur) von seinem Hund so begeistert ist, freunden sich die beiden Zwölfjährigen miteinander an. Wie viel diese Freundschaft bedeutet, wird sich bald zeigen.
Beurteilungstext Zwei Familien, die unterschiedlicher nicht sein können und neuerdings doch unter einem Dach leben: Da ist einerseits die Großfamilie Sandkuhl (Großeltern, Eltern und Tochter Viktoria), die unten im Haus mit vielen innovativen Ideen ein Bestattungsunternehmen betreibt und andererseits Arno mit seiner alleinerziehenden Mutter, die den Lebensunterhalt der Kleinfamilie als Hebamme verdient. Allerdings gibt es auch noch den Kioskbesitzer Edwin, der mit Arnos Mutter liiert ist und mit dem auch Arno sich super versteht. Am wichtigsten ist für Arno aber wohl immer noch sein Hund Fido, der zwar aufgrund seiner Verfressenheit viel zu dick ist und von allen nur "Herr Wurst" genannt wird, und der außerdem ziemlich unerzogen und durchtrieben, aber dennoch Arnos bester Freund ist. Wenn es nach Edwin ginge, der immerhin ein regelmäßiges Lauftraining per Auto mit dem Hund absolviert, müsste Herr Wurst dringend mal in einer Hundeschule erzogen werden!
Für Viktoria, die selbst Probleme mit ihrer Figur hat, ist dieser Hund die reine Wonne: Seit Jahren schon wünscht sie sich vergeblich einen eigenen. Stattdessen "traf" und "trifft" sie sich regelmäßig mit ihrer toten Schwester Agnes, die -mit großen fedrigen Flügeln angetan- ihr Schutzengel und Freundin zugleich ist. Mit ihr kann sie alles besprechen und vor allen Dingen jede Menge Süßigkeiten verdrücken. Kurz bevor Viktoria geboren wurde, kam Agnes im Alter von drei Jahren bei einem Unfall ums Leben und Viktoria ist sich sicher, dass ihre Eltern die tote Schwester viel lieber haben als sie.
Über Herrn Wurst also freunden sich Viktoria und Arno an, und obwohl dieser das Mädchen eigentlich zu dick findet, ist er doch erstaunt darüber, was er mit ihr alles erleben kann: vom Probeliegen in einem Sarg über schaurige Friedhofsbesuche bis hin zu einer Party, die in einem Desaster endet! Und dann kommt der Tag, der erstmal alles verändert: beim - zugegebenermaßen sehr unkonventionellen - Lauftraining gerät Herr Wurst unter die Räder von Edwins Auto und stirbt. Für Arno bricht eine Welt zusammen; er ist so untröstlich, dass er Edwin als Mörder tituliert und nichts mehr mit ihm zu tun haben will. Auch, dass Viktoria alles unternimmt, um den toten Hund aus der Tierkörperbeseitigungsanstalt zu holen und sich um eine würdige und angemessene Beerdigung kümmert, kann Arno nicht aus seiner tiefen Depression reißen. Erst als Viktoria verschwindet und in ihrem Versteck fast erfriert, kommt der Junge wieder zur Besinnung. Und so kommt es denn zu einem Happy End: für Arno gibt es eine Versöhnung mit Edwin, der nun auch bei ihnen einziehen wird, Viktoria hat endlich ihre Familiennöte besprechen können und bekommt zu Weihnachten ein kleines Haustier, sodass sie den "Engel" Agnes loslassen kann, und beide Kinder sind sich über den Wert ihrer gegenseitigen Freundschaft klar geworden.

Regina Schilling erzählt in diesem Buch sehr warmherzig und realistisch von einer zunächst vorurteilsbelasteten Freundschaft unter zwei jungen Menschen zwischen Kindheit und Pubertät, die beide aufgrund ihrer Familiensituation besonders geprägt sind. Es wird deutlich, dass beiden Protagonisten etwas fehlt, weil die Eltern Themen tabuisieren, die wichtig zu besprechen wären: Der Tod der älteren Schwester Viktorias ebenso wie Arnos Bedürfnis, etwas über seinen leiblichen Vater zu erfahren, von dessen Tod vor vielen Jahren ihm erst viel zu spät erzählt wird; die dadurch ausgelösten Gefühle der beiden Kinder werden gut nachvollziehbar dargestellt. Über diese Problematik hinaus kann man sich aber auch den Alltag in beiden Familien"modellen" gut vorstellen, sprich: Es gibt auch eine ganze Menge unproblematischer Normalität. Witzig sind die Schilderungen des wirklich ganz und gar unmöglichen Hundes "Herrn Wurst, der ja eigentlich der Hauptakteur dieser Geschichte und Begründer der Freundschaft zwischen Arno und Viktoria ist, die dann auch wirklich alles gibt, um Arno in der Trauer um seinen Hund Trost zu geben. Lediglich bei der Festlegung des Lesealters gibt es für mich Irritationen: der Schreibstil kommt mal kleinkindhaft-naiv (da "klettern" z. B. die beiden auf die Autorückbank) und dann wieder schon sehr pubertär (mit Verliebtheit, der Erwähnung von "Gummis" und Texten von "Wir sind Helden") daher.
Ansonsten haben sicher Mädchen wie Jungen gleichermaßen Lesefreude!
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 BG, Niedersachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
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