GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Hills, Lia
Titel Leben ist auch keine Lösung
Übersetzer / Originalsprache Wiemken, SimoneEnglisch
Illustrator
ISBN 978-3-8390-016-5 Reihe
Verlag Script 5, Bindlach, 2010
Seitenzahl 223 Preis 12,00 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Klassenlesestoff
Medienart Buch: Softcover Gattung  Adoleszenzroman
Zielgruppe 14-15
ab 18
Inhaltsangabe Will ist 17 und seine Mutter 52, als sie bei einem Autounfall stirbt. Mutter und Sohn waren sich sehr nah, die Familie ohne sie ist in einem Ausnahmezustand. Beim Begräbnis lernt Will die gleichaltrige Taryn kennen. Es ist Liebe auf den ersten Blick, mit ihr hat er zum ersten Mal Sex. Doch er sucht weiterhin nach etwas, das man Lebenssinn nennen könnte. Der Weg führt Will u.a. zu philosophischen Klassikern, zu einem anderen Mädchen und in die australische Wildnis.
Beurteilungstext Vom Tod umgeben, verliebt Will sich in Taryn - kein Wunder, dass er dabei an sich selbst zweifelt und sich kurzfristig für einen Unmenschen hält. Auf der anderen Seite ist er durch den Tod seiner Mutter so aus der Bahn geworfen, dass er jeden "echten" emotionalen Halt gebrauchen kann. Echt heißt, dass es nicht die in seinen Augen hohlen Sprüche sind, mit denen ihm andere ihr Beileid bekunden. Aber echte Bewältigung, was es mit dem Sinn des Lebens und des Todes auf sich hat, kann er nicht von anderen, von außen erwarten. Da hilft nicht Taryns Liebe, da hilft nicht die kurze Erfahrung mit LSD, da hilft nicht, dass er mit einem anderen Mädchen seine Zweifel an die Wand sprayt. Da helfen nur Zeit, schmerzhaft-schöne Erinnerungen an seine Mutter und die Konzentration auf einen philosophischen Fragenkatalog, den er für sich selbst im Laufe des Romans aufstellt. Indirekt lebensnotwenig wird für Will dessen Beantwortung. Wittgenstein, fernöstliche Philosophie, Sartre, Nietzsche u.a.m. - bei allen sucht er nach Antworten und findet sie manchmal, öfter jedoch nicht. Trotzdem hilft es ihm, darüber nachzudenken. Der Leser, der Zitate davon liest, denkt mit.
Der Roman ist aus Wills Sicht in der Ich-Person geschrieben. Die Sprache changiert zwischen Jugendsprache und literarischen Beschreibungen, detailliert - auch in der Sexszene -, präzise, gelegentlich fragmentarisch. Das Ende des Romans lässt, durchaus beabsichtigt, Fragen offen, bis z.B. die sehr wichtige, ob Will und Taryn wieder ein Paar werden. Das mag ein bisschen unbefriedigend sein, ist aber konsequent in dem, was das Buch will: Lebensfragen zu stellen statt sie zu beantworten. Der deutsche Titel des Buches scheint aus der tiefsten Lebenskrise des Protagonisten zu stammen und wird dem Ende des Buches nicht gerecht. Der englische Titel The Beginner’s Guide to Living ist da deutlich adäquater.
Noch eine Anmerkung zum Verlag Script 5: Hierbei handelt es sich um ein neues Imprint vom Loewe Verlag, das als Zielgruppe die 16- bis 25-Jährigen anvisiert. Interessant ist, dass für alle Bücher ein Booktrailer existiert, der nicht nur auf der Verlagswebsite, sondern auch bei youtube zu sehen ist. Grafisch ist man in der Covergestaltung, zumindest bei Leben ist auch keine Lösung, einen innovativen, sehr ansprechenden Weg gegangen.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 krä, Berlin

  in der AJuM Datenbank Ja
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