GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Ziegler, Reinhold
Titel Jenny, die Mauer und die Liebe
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-8000-5247-9 Reihe
Verlag Ueberreuter, Wien, 2006
Seitenzahl 191 Preis 12,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Roman
Zielgruppe 14-15
ab 18
Inhaltsangabe Bei einem Casting lernt Jupp, seit einem Jahr als Student in Berlin, Jenny kennen. Beide verlieben sich ineinander, aber in Jenny steckt eine Traurigkeit und Unruhe, die Jupp erst allmählich aufklären kann. Eigentlich erst, als er ihren Vater, einen Rundfunkmoderator, dazu bringen kann, Jenny die Geschichte ihrer Mutter zu erzählen, die nach einer geglückten Flucht aus der DDR in Westberlin ums Leben gekommen ist.
Beurteilungstext Reinhold Ziegler hat wiederholt Typen gestaltet, die wie der Autor zwischen Berlin und der Westdeutschen Provinz pendeln oder hängen. Auch in diesem Buch lässt er den sympathischen, durchaus selbstbewussten Ich-Erzähler aus einem gediegenen Elternhaus in Bayreuth nach Berlin kommen. Jupp will Musiker werden, Gitarrist, aber der Kompromiss mit dem Vater lautet: ein abgeschlossenes Studium der Medienwissenschaften. In diesen Kompromiss platzt Jenny mit ihren Schlagstöcken und ihrer Unberechenbarkeit und wirbelt sein Leben durcheinander. Noch komplizierter wird es, als Jupp erfährt, dass sie die Tochter des von ihm bewunderten Radiomoderators Pitbull für Rocksendungen in der Nacht ist, oder eigentlich nicht, denn sie hat gerade, während er nach einem Unfall im Krankenhaus liegt, herausgefunden, dass sie dies nicht ist, seine Tochter. Nach einem verwirrenden Hin und Her muss Pitbull Jenny erzählen, wie er ihre schwangere Mutter heimlich aus der DDR geholt hat und wie sie dort 1987 nach einem heftigen Streit mit ihm ums Leben gekommen ist. In diesem Zusammenhang erklärt der Autor durch die emotionsgeladene Erzählung Pitbulls West-Ost-Geschichte in Berlin vor dem Fall der Mauer, die in ihrer Dramatik genau erfasst ist.
Dem Autor gelingt eine überzeugende Gestaltung seiner Figuren, wenn Jenny in ihrer Zerrissenheit nervig wirkt, wenn Pitbull zwischen hartnäckigem Schweigen und verklemmtem Biergebrabbel kein vernünftiges Wort herausbringt und gerade in dieser Haltung seine Schuldgefühle nur zu deutlich werden. Doch die Sympathie der LeserInnen gewinnt Jupp, der trotz seines selbstsicheren Auftretens auch durch die Erfahrung mit einer immer wieder depressiven Mutter sensibel ist und es versteht, im rechten Augenblick auf einer Antwort zu beharren oder hinter der Maske der Abwehr die Unsicherheiten zu erspüren. Darum gönnt ihm der Autor einen erfolgreichen Schluss, der alle jugendlichen LeserInnen befriedigen wird.

Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 uwo, Berlin

  in der AJuM Datenbank Ja
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