GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Hurley, Tonya
Titel Ghostgirl
Übersetzer / Originalsprache Brauner, AnneAmerikanisch
Illustrator Phillips,Craig
ISBN 978-3-596-85379-3 Reihe
Verlag Fischer Schatzinsel, Frankfurt, 2009
Seitenzahl 330 Preis 14,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Fantastische Erzählung
Zielgruppe 12-13
14-15
10-11
Inhaltsangabe Die Liebesgeschichte liest sich wie das Tagebuch einer Pubertierenden, deren einziges Ziel die Eroberung ihres Schwarms ist, vorzugsweise soll das auf dem Herbstball der Schule geschehen. Dafür würde sie sogar sterben. Nun, so wörtlich war das nicht gemeint, aber das ist jetzt nicht mehr zu ändern.
Beurteilungstext Der Klappentext kündigt witzig und gelungen eine geisterhafte, fantastische und komische Geschichte an und ist damit der sprachlich anspruchvollste Teil des Buches, das leider nicht ganz dieses Versprechen hält.
Denn nachdem die farblose Charlotte die ganzen Ferien über aufopfernd an ihrem Äußeren gearbeitet hat, verstirbt sie am ersten Schultag auf sehr ungewöhnliche Weise, aber trotzdem fast unbemerkt mitten in der Schule. Sie geistert von nun an durch die Schule, doch die Geistergeschichte mit vielen Klischees ist in dieser Lovestory nur nette Dekoration.
Die Idee hinter dem Plot besitzt Charme und Witz, der noch nicht allzu sehr überbeansprucht ist. Ein Schulgespenst auf Teen-Niveau mit seinem schwarzen Humor, den skurrilen Todesbeschreibungen mit hoffnungsvollem Ausblick auf ein Leben danach.
Charlottes Einsicht und Erkenntnis von wahrer Größe und echten, tiefen, aufrichtigen Gefühlen kommt letztendlich, aber der Weg zu dieser Einsicht ist für den Leser nicht so ohne Weiteres nachzuvollziehen. Vielmehr reihen sich Episoden aneinander, die mehr oder weniger ungeschickt zur Handlung verknüpft wirken.
Familien kommen gar nicht vor, begründet mit der Tatsache, dass Jugendliche in ihrer naturgegebenen Selbstsucht keinen Gedanken an jene verschwenden, denen sie wirklich etwas bedeuten. Den Erwachsenenpart übernehmen verschiedene Lehrer, die grundsätzlich respektvoll behandelt werden. Realistisch?
Im Stil der Bravo-Romane ist die Wortwahl oft unglücklich oder ungeschickt.
Textzusammenhänge gehen in den Formulierungen manchmal verloren oder werden "absurd". Die Sprache ist kantig und trifft nicht immer den Punkt, der Gebrauch vieler, dem Lesealter nicht angepasster Fremdwörter erschwert das Verständnis. Das könnte der Übersetzung zugeschrieben werden, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Gedanken und Gespräche finden in Anspielungen und Metaphern statt, denen der Uneingeweihte schwer folgen kann. Sie werden zum Teil nicht oder sehr umständlich wieder aufgegriffen und verpuffen damit in ihrer angestrebten Wirkung, eine geheimnisvolle Erläuterung abzugeben. In dem Versuch, witzig und frech zu erscheinen, hinterlassen die vielen "schmutzigen" Andeutungen und Beschreibungen in jugendlicher "Gossensprache" leider nur einen ordinären Eindruck. Einige Druck- und leichte Inhaltsfehler verstärken den billigen Geschmack.
Das Buch ist eine leichte Lektüre für Liebhaber der amerikanischen Highschool-atmosphäre mit allen Accessoires wie Cheerleadern, Footballern (so die Übersetzung), Zickenkrieg der Barbies mit den Loosern ... Das hehre Aufopfern der Heldin ist nur noch der kitschige Schlussakkord. Junge Mädchen sind damit sofort zu begeistern.
Ansprechend ist allein die künstlerische Gestaltung. Die Beschränkung auf die Farben Schwarz, Pink, Silber und Weiß in romantischen, jugendstilartigen Motiven und Mustern, ergänzt durch an den Biedermeier erinnernde Scherenschnitte comicähnlicher Figuren ist witzig und niedlich.
Gelungen fand ich ebenfalls die kapiteleinleitenden Zitate aus Literatur und Liedtexten, teilweise in Englisch, so dass sie die Zielgruppe zur Übersetzung animieren. Streitbar waren allerdings die vorangehenden Moralpredigten.
Abschließend folge ich einmal der Vorliebe des Autors für musikalische Zitate: "Der Tiefgang hört auf, wo das Image beginnt..." (IC).
Bewertung

 empfehlenswert

Rezensent

 Wa, Niedersachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
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