GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Fitzroy, Charles
Titel Florenz für 5 Florentiner am Tag
Übersetzer / Originalsprache Schuler, KarinEnglisch
Illustrator
ISBN 978-3-8363-0210-4 Reihe
Verlag Sanssouci bei Hanser, München, 2010
Seitenzahl 160 Preis 12,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart gebunden, fester Einband Gattung  historisches Sachbuch / Zeitreiseführer
Zielgruppe 12-13
14-15
16-17
ab 18
Inhaltsangabe Ein Fremdenführer für Florenz und die Toskana, der keine Wünsche offen lässt außer dem einen, man möge ihn bereits um 1500 besessen haben, wenn man denn damals gelebt hätte. So bleibt uns eine spannende virtuelle Reise in eine Zeit, die wir nicht ohne Grund den Beginn der Neuzeit nennen. Und falls wir tatsächlich heute genau dorthin wollen, dann wird das Buch uns ein guter Helfer sein.
Beurteilungstext Florenz ist auch heute noch die Stadt der Renaissance. Der Einfluss der Medici ist auch nach 500 Jahren spürbar, Kunst allenthalben, Kirche, Villen, teure Modegeschäfte, enge Straßen, Touristen. In die Innenstadt selbst kommt man nur noch so, wie im Buch beschrieben: zu Fuß, zu Pferd oder - seltener heute - in der Kutsche. Auf "Gesindel" sollte man auch heute aufpassen.
Charles Fitzroy unterteilt seinen Reiseführer in 10 Kapitel, jedes ist noch weiter unterteilt. Die Sprache ist angenehm, das große Wissen wird sehr angenehm vermittelt. Die Rolle der Frau zum Beispiel: Die einfachen Frauen sind es, die den Markt bestimmen, die das tägliche Leben organisieren, verdienen sich ihren Unterhalt als Amme oder Weberin, färben oder waschen, arbeiten in Wirtshäusern oder nähen Kleidung. Die reichen Frauen dagegen sind nur Statussymbol der dazugehörigen Männer. Sie beobachten vielleicht das Treiben auf der Straße, zeigen sich aber nur bei Einladungen oder bei Festen an der Seite ihrer Männer. Die natürliche Blässe wird dabei noch durch das Auftragen von Schwefel erhöht. "Lorenzo … schwärmt vom Damastmieder seiner gegenwärtigen Geliebten …"
Der Text ist im Präsenz gehalten, so sind wir immer mittendrin - sei es in der Geschichte, sei es beim Vor- oder Nachlesen des tatsächlichen Besuchs. Wohlig wird es uns, dass wir der Folter tatsächlich entkommen werden, dass der Mönch Savonarola uns keine Angst machen kann, und auch die nächtlichen Horden junger Männer, die ihre Homosexualität ausleben, gehören heutzutage nicht zum Straßenbild.
Ein "Fremdenführer, vor allem einer wie dieser, kommt natürlich nicht ohne entsprechendes Bildmaterial aus. Schwarzweiße Bildabdrucke auf fast allen Seiten begleiten die Texte, zweimal werden vier Hochglanzseiten mit Abbildungen aus dem Bereich der Kunst eingefügt.

Die Idee, historische Zeiten mit heutigen Mitteln so aufzubereiten, als sei sie aktuell, ist nicht neu ("… Schreibe einen Bericht für die Tageszeitung: Brand auf der Ponte Vecchio …"). Ein ganzes Buch auf diese Idee auszurichten, zeigt Mut und bedarf eines großen Wissens, das dann auch noch so aufbereitet werden muss, dass es außerdem unterhaltsam daherkommt.
Ein schwieriges Unterfangen, sehr gut gelungen.

P. S. In gleicher Ausstattung und mit gleichem Anspruch: Athen 432 vChr * Rom 200 nChr * Shakespeares London
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 uhb, Niedersachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
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