GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Poznanski, Ursula
Titel Erebos
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-7855-6957-3 Reihe
Verlag Loewe, Bindlach, 2010
Seitenzahl 486 Preis 14,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Softcover Gattung  Fantasy
Zielgruppe 14-15
16-17
12-13
Inhaltsangabe Das geheime Computerspiel Erebos wird an Nicks Schule weitergereicht. Niemand darf darüber sprechen. Als auch Nick es bekommt, ist er zunächst misstrauisch - und dann begeistert. Schule, Freunde, Schlaf, alles vernachlässigt er, um mit seiner Spielfigur Sarius ein Level nach dem nächsten zu erklimmen. Dazu muss er seltsame Aufgaben im wahren Leben lösen. Bis er eines Tages den Auftrag erhält, einen Lehrer zu töten. Er weigert sich, fliegt aus dem Spiel und hat plötzlich Erebos als Feind.
Beurteilungstext In diesem spannenden Jugendroman, geschickt zwischen Fantasy und Realität angesiedelt, entwirft die österreichische Autorin Ursula Poznanski ein beklemmendes Szenario: Was, wenn jemand Jugendliche durch ein Computerspiel so manipuliert, dass sie ihm auch im wirklichen Leben gehorchen? Der zunächst unbekannte Bösewicht, der durch die Faszination des Spiels zunehmend Einfluss auf die Schüler nimmt, macht das hier aus einem finsteren, wenn auch nachvollziehbaren Beweggrund: Er will, dass die besten Spieler seinen Todfeind umbringen, einen Mann, der ihm seine größte Entdeckung gestohlen hat, die der künstlichen Intelligenz. Ist das für den Leser nachvollziehbar? Ist es technisch möglich, dass ein Spiel sich so in das persönliche Leben einklinkt, dass es die geheimsten Details der Spieler herausfindet und für sich nutzt? Im Zeitalter des gläsernen Computermenschen scheint es nicht ganz abwegig. Und wie tröstlich, dass Nick es mit seiner Freundin Emily und einigen Computerfreaks, die sich nicht von Erebos einwickeln lassen, den Mord verhindern können!
Sprachlich ist der Roman zweigeteilt. Nicks reale Welt ist die des Imperfekts: Spielsucht, wachsende Angst vor Erebos, der Konflikt mit seinem Vater, die Schwärmerei für Emily, Entsetzen über den schweren Unfall eines Freundes und schließlich der Schlag gegen Erebos werden in diesem Tempus ausgedrückt. Für die Welt des Computerspiels, dem Spiel World of Warcraft nachempfunden, hat die Autorin das Präsens gewählt. Das Staunen über die neu entdeckte Fantasywelt, die Gespräche der Spieler an Lagerfeuer, die Kämpfe gegen Horrorwesen, die Nick als Dunkelelf Sarius besteht, werden im Tempus der Gegenwart ausgedrückt, in dem nur das Hier und Jetzt zählt. In beiden Tempi herrscht die auktoriale Erzählhaltung. Am Ende einiger Kapitel wechselt der Roman plötzlich in die Ich-Person. Zunächst bleibt unklar, wer hier spricht, aber zunehmend wird deutlicher: Der allmächtige Erebos kommt selbst zu Wort.
Erebos, in der griechischen Mythologie Gott und Personifikation der Finsternis, ist nur einer von verschiedenen Hinweisen auf die griechische Mythologie, wie Nick (und der Leser) entdecken. Von Laokoon und Troja ist die Rede, von Hades und anderen. Das hat mir ebenso gefallen wie die originelle Idee der Autorin, die lokale Auslegung des Computerspiels an die U-Bahnstationen von London, wo der Roman spielt, anzulehnen.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 krä, Berlin

  in der AJuM Datenbank Ja
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