GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor David, Janina
Titel Ein Stück Himmel - Ein Stück Erde - Ein Stück Fremde
Übersetzer / Originalsprache Baruch, Gertrud / Neves, HanneloreEnglisch
Illustrator
ISBN 978-3-423-62442-8 Reihe
Verlag dtv, München, 2009
Seitenzahl 952 Preis 14,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Autobiografische Erzählung
Zielgruppe 12-13
14-15
16-17
ab 18
Inhaltsangabe Janina David schildert unsentimental ihre Kindheit im Warschauer Ghetto und beschreibt aus Kinderaugen das Grauen, das der Nationalsolzialismus den Juden antat. Versteckt bei Bekannten, von ihren Eltern getrennt, später in verschiedenen Kinderheimen, wo sie Identität und Religion verbirgt, kommt sie nach Kriegsende auf einer Odyssee durch Europa nach Paris und geht dann nach Australien.
Beurteilungstext Die drei Einzelbände des vorliegenden TBs erschienen bereits 1981, 1982 und 1983 im Hanser Verlag.
Nach wie vor ist dieser Sammelband neben Anne Franks Tagebuchaufzeichnungen für alle ein Buch der jüngsten Vergangenheit, das man einfach gelesen haben muss.
Die 1930 geborene Autorin, entstammt einer bürgerlichen jüdischen Familie in Polen. Sie schreibt in der Ich-Form, Tagebuchform, wodurch der Leser unmittelbar ins Geschehen integriert wird. Ihre Erinnerungen beginnen mit Kriegsausbruch, als die Familie ins Warschauer Ghetto muss. Aus Sicht des verschreckten, aber auch zunächst unwissenden Kindes schildert sie ganz unsentimental die unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto und die Ängste, bis hin zu ihrer Flucht aus dem Ghetto und dem Zurückbleiben der Eltern.
Der zweite Band: Ein Stück Erde - Das Ende einer Kindheit, setzt 1943 ein, nach Verlassen des Ghettos und der Aufnahme bei Lydia und Erich. Hier wird die Zeit des Versteckens sehr beeindruckend und betoffen machend geschildert. Zunächst bei den Bekannten, dann beginnt eine Odyssee durch verschiedene Kinderheime, kirchlich geleitet, wo sie ihre wahre Identität und Glauben verheimlichen muss. Auch hier, in mutmaßlicher Sicherheit vor den Nazis, muss sie viel Leid und Verachtung erdulden. Das ist um so schlimmer, da sie nun ganz alleine dasteht und nicht weiß, was mit den Eltern ist. Auf abenteuerliche Weise gelangt sie schließlich nach Kriegsende wieder nach Kalisch und wird von Verwandten aufgenommen.
Im dritten Band: Ein Stück Fremde - Erinnerungen an eine Jugend beschreibt sie die Zeit von 1946 bis 1948. Unter der Vormundschaft des Onkels muss sie wieder in ein Kinderheim, wo sie wieder viele Entbehrungen und Demütigungen über sich ergehen lassen muss, bis sie mit einem Sammeltransport nach Paris kommt. Doch auch in Frankreich ist sie von der Verwandtschaft nicht gelitten, sondern nur eine Last, kommt dort wieder in ein Heim, bis sie endlich nach Australien auswandern kann. Doch die vermeintliche Freiheit und Selbstbestimmung dort ist auch nur ein Trugschluss. Wieder ist sie von Verwandten abhängig, muss einer ungeliebten Arbeit nachgehen. Im November 1948 stellt sie sich auf eigene Füße, will den Schulabschluss nachholen, um studieren zu können.
Offen bleibt, wie sie ihr weiteres Leben meistert.
Ein Lebensweg vom Kind zur jungen Frau wird hier aufgezeigt, wo Kindheit unter den unmenschlichen Bedingungen nicht stattfinden konnte. Existentielle Ängste bedrohten bis zum Schluss das Leben Janinas. Um so erstaunlicher, dass sie trotz aller Widrigkeiten, Rückschläge ihr Wille zur Selbstbestimmung nicht gebrochen wurde und sie überlebte.
Ein beeindruckendes Zeitzeugnis, das nicht nur den jungen Leser ab 13 Jahren anspricht - sehr empfehlenswert.
Ein Vorwort der Autorin sowie im Nachwort ein Antwortversuch Günter Kunerts zur Zeitgeschichte, ferner eine Zeittafel zur Geschichte der polnischen Juden vervollständigen den Sammelband.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 RPMK, Rheinland-Pfalz

  in der AJuM Datenbank Ja
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