GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Elpers, Noella
Titel Dolores - Närrin von Kastilien
Übersetzer / Originalsprache Pressler, MirjamNiederländisch
Illustrator
ISBN 978-3-499-21515-5 Reihe
Verlag Rowohlt, Reinbek, 2009
Seitenzahl 288 Preis 12,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Historische Erzählung
Zielgruppe 14-15
16-17
ab 18
Inhaltsangabe Dolores, ein zwergenwüchsiges Mädchen, ist für ihre Familie nur ein unnützer Esser. Sie wird vom Vater an König Ferdinand und Königin Isabella verkauft. Als vorlaute Hofnärrin soll sie deren schwermütige Tochter Johanna aufheitern. Die hochintelligente und scharfzüngige Dolores erkennt bald, dass sie als Hofnärrin niemals erwachsen sein darf ...
Beurteilungstext Die Geschichte der Zwergin Dolores wird in einer Rahmenhandlung erzählt: Dolores selbst sieht ihr Leben noch einmal Revue passieren, als sie mit 16 Jahren im September 1496 auf einem sinkenden Schiff steht und sich von ihrem beschwerlichen Leben verabschiedet. In der Binnenhandlung erfährt der Leser wie Dolores von Biar aus, ihrer Heimat, an den königlichen Hof kam und was sie dort erlebte.
Sehr anschaulich beschreibt Noella Elpers das Schicksal dieses missgestalteten, zwergenwüchsigen Mädchens, das im Spanien des 15.Jahrhunderts für ihre arme Familie nur eine Last war, zumal sie sehr vorlaut ist und ein ungezügeltes Temperament hat. Von der Mutter und den Geschwistern geliebt, wird sie als unnützer Esser vom Vater an Don Pedro verschachert. Dort soll sie als Hofnärrin ausgebildet werden und Lucinda, der Tochter, Gesellschaft leisten. Eigentlich ist das für die hochintelligente Dolores ein Glücksfall, sie lernt hier Lesen und Schreiben und erhält Bildung. Von hieraus gelangt sie an den Hof von König Ferdinand und wird zur Vertrauten seiner Tochter Johanna und schließt enge Freundschaft mit dem Haremsmädchen Meryem, das wie Dolores zum Besitz der Herrscher gehört und abhängig von der Gunst der Herrschaften ist.
Exzellent wird das Leben der einfachen Leute, der Soldaten und im Gegensatz dazu das Hofleben, die steife Etikette wie auch die Intrigen unter den Herrschenden als auch unter den Bediensteten beschrieben. Doch genauso bildhaft werden Dolores’ Befindlichkeiten in all ihren Höhen und Tiefen geschildert. Sehr einfühlsam werden die Gefühle dieser Außenseiterin der Gesellschaft deutlich wie auch das Verhalten der Umwelt, der Mitmenschen dieser “Missgeburt” gegenüber. Beeindruckend ist auch das analytische Denken Dolores’, die unsentimental sich ihrer Lage voll bewusst ist.
Ein wunderbarer historischer Roman, der sich mit einer Außenseiterin, einer Behinderten auseinandersetzt, die das Herz auf dem rechten Fleck hat, durch ihre Zwergenwüchsigkeit und Scharfzüngigkeit, gepaart mit hoher Intelligenz, “Karriere” (im weitesten Sinn) macht und immer mitmenschlich bleibt. Durch das Ertrinken auf See beschließt und entkommt sie ihrem Schicksal, als Närrin nie erwachsen werden zu dürfen.
Sicher hat auch die Übersetzerin Mirjam Pressler großen Anteil an diesem sehr empfehlenswerten Roman, nicht nur für jugendliche Leser.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 RPMK, Rheinland-Pfalz

  in der AJuM Datenbank Ja
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