GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Mayer, Gina
Titel Die verlorenen Schuhe
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-522-20073-8 Reihe
Verlag Thienemann, Stuttgart, 2010
Seitenzahl 400 Preis 18,00 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
für Arbeitsbücherei
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Historische Erzählung
Zielgruppe 12-13
14-15
16-17
ab 18
Inhaltsangabe Zwei ungewöhnliche Mädchen begegnen sich auf dem Gut der einen. Fremdarbeiterin ist die andere. Die Front rollt auf sie zu. Der Zufall führt beide gemeinsam auf den Weg in eine ungewisse Zukunft - immer auf der Flucht vor den Russen. Ihre Familien haben sie verloren. Werden sie irgendwo ankommen?
Beurteilungstext Man mag sich gar nicht ausmalen wollen, wie es ist, wenn man plötzlich von seiner Familie getrennt wird. Das ist Wanda passiert. Und nun muss sie als Fremdarbeiterin auf dem Gut der Familie Baken schuften. Denn Wanda ist Polin - ein Mensch zweiter Klasse - glaubt man der Rassenlehre der Nazis. Besser gelingt es, sich vorzustellen, wie Inge Baken aufgewachsen ist, behütet und von allen Übeln ( auch dem Krieg) verschont. Sie gehört der besseren Sorte an, sie gehört zu den Herrenmenschen. Plötzlich müssen die beiden miteinander auskommen, denn sie haben beide unabhängig voneinander beschlossen, dass sie vor den Russen fliehen müssen.
Äußerst einfühlsam und sensibel gelingt es der Autorin Gina Mayer zum einen das Leben beider Mädchen teilweise retrospektivisch aufarbeitend darzustellen, und zum anderen die Gründe für ihre gemeinsame Flucht und ihr Handeln zu erklären.
Inspiriert von den Schilderungen der Zeitzeugen gestaltet sie den Weg der Mädchen aus Schlesien bis nach Nördlingen im heutigen Bayern. Geschickt verknüpft sie auch die Erfahrungen beider Mädchen mit den jungen Männern und der Liebe. So lässt sie über einen ganzen Roman hinweg ein enges Band der Freundschaft zwischen den beiden doch so unterschiedlichen jungen Menschen wachsen. Und was am Anfang noch eine Notlüge war, ist am Ende Gewissheit: sie sind Schwestern geworden.
Auch der Titelbezug, der sich erst spät herausbildet, macht Sinn, denn hier findet man ein Symbol, das nicht nur für den unvorstellbaren Terror der Nazis steht, sondern auch für die schicksalhafte Begegnung der zwei Heldinnen.
So können denn menschliche Werte gerettet werden auf eine gefahrvolle, aber immer wieder Hoffnung schöpfende Weise. Wie entwickeln sich die beiden denn weiter? Aber das wäre ja schon die nächste Geschichte.
Ein wunderbares Buch!
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 T-Lie, Thüringen

  in der AJuM Datenbank Ja
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