GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor de Saint-Exupéry, Antoine
Titel Der kleine Prinz
Übersetzer / Originalsprache Wilksen, KaiFranzösisch
Illustrator Sfar, Joann
ISBN 978-3-551-77795-9 Reihe
Verlag Carlsen, Hamburg, 2009
Seitenzahl 110 Preis 14,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Graphic Novel
Zielgruppe 10-11
ab 18
Inhaltsangabe Der französische Comiczeichner Joann Sfar hat die weltberühmte Geschichte vom kleinen Prinzen, der zurück auf seinen Planeten will und dafür den Tod auf der Erde in Kauf nimmt, in detaillierte Bilder übertragen. Der Orognaltext ist gekrüzt und findet sich, im Comicstil, auf den Illustrationen wieder.
Beurteilungstext Bitte, zeichne mir ein Schaf, wünscht sich der kleine Prinz, und der notgelandete Pilot versucht es, so gut er kann. So beginnt die weltberühmte Geschichte von Saint-Exupéry. Damit wird das Illustrieren bereits im Text thematisiert, und somit scheint die Ergänzung des gesamten Textes durch Bilder auf den ersten Blick nur folgerichtig. Allerdings bleibt der kleine Prinz, der sein ersehntes Schaf erhält, uns gegenüber deutlich im Vorteil. Denn sein Schaf ist in einer Kiste, und er kann selbst bestimmen, wie es aussieht. Ihm bleibt die Fantasie. Uns dagegen wird die Phantasie genommen: Plötzlich bekommt alles ein Gesicht. Sei es der kleine Prinz mit seinen riesigen blauen Augen, die fast schon an einen Manga-Comic erinnern, sei es der etwas zerknittert aussehende Pilot, eng angelehnt an Fotos von Saint-Exupéry oder der Fuchs mit seinen großen Plüschohren - wenn wir diese 110 Seiten gelesen und betrachtet haben, sind wir festgelegt. Das ist einerseits wunderschön, denn Joann Sfar ist ein herausragender Comiczeichner, der sein Handwerk versteht. Für alle, die sich lieber über Comics einem Text nähern, ist es in jedem Fall hilfreich.
Dennoch bleiben die Bilder hinter dem philosophischen Gehalt dieser Geschichte zurück, der auch von seiner Mehrdeutigkeit lebt. Diese ist ihm dadurch genommen, dass alles detailliert abgebildet ist. Wie gleichberechtigt können Text und Bild in so einem Klassiker sein? Handelt es sich überhaupt um eine graphic novel, wenn die Bedeutung des Textes immer noch im Vordergrund steht, so wie hier? Und eigenen sich solche weltbekannten Werkegrundsätzlich dazu, in die Gattung graphic novel transponiert zu werden, wenn sie schon tausendfach interpretiert, vertont und gespielt wurden? All diese Fragen habe ich mir während der Lektüre gestellt und konnte sie nicht unbedingt schlüssig beantworten.



Bewertung

 empfehlenswert

Rezensent

 krä, Berlin

  in der AJuM Datenbank Ja
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