GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Jeschke, Mathias
Titel Der Wechstabenverbuchsler
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator Teich, Karsten
ISBN 978-3-414-82234-5 Reihe
Verlag Boje, Köln, 2010
Seitenzahl 28 Preis 12,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Klassenlesestoff
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Bilderbuch
Zielgruppe 6-7
8-9
4-5
Inhaltsangabe Herr Beckermann vertauscht Buchstaben. Seit er einen Unfall hatte, bei dem er durch die Drehtür eines Kaufhauses geschleudert wurde, kann er die meisten Worte nicht mehr richtig aussprechen. So fliegen schon mal wanderbure Letterschminge über die Wiemenbluse, statt: wunderbare Schmetterlinge über die Blumenwiese. Doch am selben Tag treten Nina und ihre Mutter in Beckermanns Leben und stellen es im wahrsten Sinne völlig auf den Kopf...
Beurteilungstext Autor Mathias Jeschke, "begoren 1963 in Bündelurg" und Illustrator Karsten Teich "goberen 1967 in Münnoversch Handen" danken zum Auftakt ihres WECHSTABENVERBUCHSLERS (Buchstabenverwechslers) ausdrücklich Joachim Ringelnatz, Ernst Jandl, Kurt Schwitters, Christian Morgenstern und Heinz Erhardt. An deren Wortwitz, Sprachkunst und Ulkpoesie knüpfen sie an. Sie haben einen Mann erfunden, der Buchstaben verwechselt.
Im richtigen Leben bedeutet das: man wird nicht mehr verstanden!
Man stelle sich vor, man möchte, dass Nachbarn Einbrecher festhalten, die mit der eben gestohlenen Beute flüchten, und man ruft: "BIEDE! BIEDE! HU ZILFE!" Niemand würde helfen. Keiner hätte den Hilferuf verstanden. Man wird also sehr schnell sehr unglücklich und hilflos, wenn man sich nicht verständlich ausdrücken kann. Wenn Säuglinge ihre Bedürfnisse noch nicht artikulieren können, weil sie die Sprache erst erlernen müssen, ist das nicht so tragisch. Eltern und Erzieher/innen überbrücken diese Zeit. Sie geben die notwendige Zuwendung. Erwachsene haben es da schwerer.

HERRN BECKERMANN aus dem Buch wird nicht geholfen, als die Diebe flüchten. Er braucht nach diesem Erlebnis auch jemanden, der ihm hilft, der ihn versteht. Gut, dass er gleich nach dem Unfall im Kaufhaus NINA und ihre Mutter kennen lernt. Die beiden finden seine Art zu sprechen ziemlich lustig, doch sie machen sich wenigstens nicht über ihn lustig. Im Gegenteil, sie finden ihn nett. Die Folge ist: "Immer öfter verbringt Herr Beckermann seine freie Zeit" mit ihnen. Und nach einer Reihe von gemeinsamen Unternehmungen und nach dem Satz: "Hmm, du meine kleine Schnimtzecke!" gibt es eine Hochzeit und NINA und ihre Mama stellen das Leben von Herrn Beckermann völlig auf den Kopf. "Und genau das hilft ihm, mit seiner WECHSTABENVERBUCHSELEI besser zurechtzukommen."

Über die vielen lustigen Wortverdrehungen verbunden mit lustigen Erleb- und Ereignissen können Kinder zwischen 5 und 8 Jahren herzlich lachen. Sie werden gleichzeitig animiert, selber mit Worten und Silben zu spielen und erleben so Sprache lustvoll und prall voller Gestaltungsmöglichkeiten. Witzige, knallig-bunte, großflächige Szenen- und Figurenabbildungen regen die Phantasie an, sich selber Geschichtchen auszudenken. Schon die Titelseite, auf der der worteverdrehende Herr Beckermann und sein verbuchselten Worte zusehen sind, die von einem Mädchen bestaunt werden, regt zum WECHSTABENVERBUCHSELN ein: aus Kirschkuchen wird KURSCHKICHEN, aus der Blockflöte eine FLOCKBLÖTE und was bitte ist eigentlich ein POKOSCHUDDING? Natürlich ein Pudding aus Schokolade.

Die Bilderbuchgeschichte geht gut aus. Auch das lieben und brauchen Kinder. Als Herr Beckermann an einer Turnstange kopfüber hing, konnte er plötzlich wieder richtig reden! Jetzt können Kinder das Wortverdrehen ohne Angst üben und betreiben. Dieses Buch ist eben ein sehr empfehlenswerter Appell zum KOPFSTAND, zum Lernen, die "VÖRTER WU ZERDREHEN UND DIE WECHSTABEN ZU VERBUCHSELN". Zauf wu euen Nörtern!
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 nb, Bayern

  in der AJuM Datenbank Ja
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