GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Peinkofer, Michael
Titel Der Pirat von Barataria
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-423-71398-6 Reihe
Verlag dtv, München, 2010
Seitenzahl 364 Preis 7,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Abenteuererzählung
Zielgruppe 12-13
10-11
Inhaltsangabe Nach dem unerwarteten Tod ihres Vaters müssen 1850 die drei Vollwaisen Bobby (8), Henry (13) und Kelly (16) ihre Heimat St. Louis verlassen. Sie werden von einem angeblichen Freund ihres Vaters aus New Orleans, Victor Laroux, aufgenommen. Von Beginn der Reise an ereignet sich Merkwürdiges und auch nach ihrer Ankunft in New Orleans kommen die Geschwister Geheimnissen um Voodoo-Zauber und alten Familiengeschichten auf die Spur und geraten in große Gefahr.
Beurteilungstext Überwiegend wird aus Sicht des 13-Jährigen Henry erzählt, was besonders für Jungen brauchbare Identifikationsmöglichkeiten schafft. In seinem Mut, Trotz, in seiner Skepsis und Abneigung gegenüber der Erwachsenenwelt können sich bestimmt viele 10- bis 13-Jährige wiederfinden. Einige Skelette, gruselige Voodoorituale, Geheimgänge oder blutige Kämpfe zwischen Haien und Alligatoren könnten vor allem Leser von Gruselserien ansprechen, ohne Abenteuer liebende Mädchen zu verschrecken. Für sie gibt es zudem die 16-jährige Kelly als Identifikationsfigur, die zunächst auf die Schmeicheleien des Laroux-Sohnes Armand hereinfällt. Denn anfangs lockt sie die Aussicht auf ein luxuriöses Leben. Zwischen den Geschwistern geht es um das Verlieren und Wiederfinden von Vertrauen und um die Vorrangigkeit der Familienbande. Positiv fällt auf, dass alle drei ihre Fehler eingestehen können, so dass eine neue Basis für Vertrauen entsteht. Die Bedeutung des Zusammenhalts der Geschwister spiegelt sich auch in den drei Glasmedaillons wider, von denen jeder eines als Erben vom Vater erhalten hat und die nur zusammen zum Ort des von den Laroux gesuchten Schatzes führen. Gegen die Gier des Victor Laroux und seines Sohnes Armand, die zudem den Vater der Fairbanks Geschwister umbringen ließen, gegen Voodoo und Aberglauben bewähren sich der Zusammenhalt der Geschwister, Verstand und Überlegtheit auch in Krisensituationen.

Einige "ernsthafte" geschichtliche Themen werden auch kurz angerissen, wenn die Geschwister aus dem Norden gegen Sklavenhaltung argumentieren, sich die militärische Auseinandersetzung zwischen Nord- und Südstaaten mit Leroux' Plänen ankündigt oder die Diskriminierung von bestimmten gesellschaftlichen Gruppen wie den Cajuns deutlich wird. Vertieft wird dies alles nicht, aber als Denkanstöße können sie wohl gewertet werden. Zumindest sind diese "pädagogisch wertvollen" Themen ordentlich in die Handlung eingebaut.

Spannung zu erzeugen scheint dem Autor insgesamt besonders wichtig gewesen zu sein. Mit dem bewährten, hier recht wirkungsvoll und häufig angewandten Verfahren der Vorausdeutung weckt er die Neugier des Lesers auf den weiteren Handlungsverlauf. Dabei steigern sich die zu bewältigenden Schwierigkeiten oder es tauchen ständig neue auf, so dass insgesamt ein fast schon gehetzt wirkendes und sehr actionlastiges Erzähltempo entsteht.
Geschrieben ist "Der Pirat von Barataria" dabei dennoch solide, also unterhaltsam und sprachlich abwechslungsreich, wenn auch nicht besonders originell bzw. kreativ in den Formulierungen. Angenehm ist die überschaubare und gut ausgewählte Zahl von Worterklärungen der im Text mit Sternchen gekennzeichneten Wörter, die für den Leser zeit- und landestypische Atmosphäre schaffen.

Negativ fällt auf, dass der Titel und die Aufmachung mit Totenkopf und gekreuzten Knochen sicherlich den Piratenfan zum Buch greifen lassen, der dann zwar möglicherweise gut unterhalten wird, aber keinen Piratenroman vorfindet. Genretypische Elemente wie die zeitgenössische Seefahrt oder Seegefechte zwischen Piraten und ihren Gegnern fehlen völlig. Schiff gefahren wird nur zu Beginn und am Ende ganz gepflegt auf dem Mississippi. Da hilft es auch nicht, dass sich der tote Pirat Lafitte als Opa der Geschwister entpuppt und als Skelett auf seinem Schiff in der geheimen Bucht von Barataria den Schatz bewacht. Er ist nur Ausgangspunkt für den Konflikt zwischen den Familien Laroux und Fairbanks-Lafitte und gruselige Kulisse für das Finale. Eine solche Mogelpackung, die vielleicht auf der Fluch-der-Karibik-Welle mitschwimmen will, hinterlässt einen faden Beigeschmack.
Bewertung

 empfehlenswert

Rezensent

 KH, Bayern

  in der AJuM Datenbank Ja
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