GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Lutz Rathenow & Frank Ruprecht,
Titel Der Liebe wegen - Ein Wende-Buch mit zwei Vereinigungsgeschichten
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator Ruprecht, Frank
ISBN 978-3-934941-55-7 Reihe
Verlag edition buntehunde, Regensburg, 2009
Seitenzahl 40 Preis 14,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart großformatige Broschur Gattung  illustrierte Erzählung
Zielgruppe ab 18
Inhaltsangabe Zwei Geschichten, jede beginnt nach dem Wenden des Buches, lassen vom Titel vermuten, dass es sich um “die Wende” und “die Vereinigung” im Bereich 1989 bis 1990 in Deutschland handelt. Die Vermutung täuscht. Auch eine “Vereinigung” der zwei Geschichten findet nicht statt, sie treffen sich nach je 20 Seiten in der Mitte, ohne dass es ein gemeinsames Mittelblatt gäbe. Beide Geschichten handeln von “Liebe” in eigenartiger Form und sind nicht für Jugendliche geeignet.
Beurteilungstext Die Geschichten sind unterschiedlich lang, brauchen dennoch je 20 Seiten. Die kürzere (Spieglein im Gesicht) macht fehlenden Text durch mehr und größere Illustrationen wett, und die sind nun einmal nicht für Jugendliche, schon gar nicht für Kinder geeignet. Wenn es der Geschichte zuträglich wäre und unbedingt notwendig, dann auch eine masturbierende Frau - wenn auch da über das Bild selbst einiges zu sagen wäre. Narzissmus ist - vor allem wenn auch Jugendliche angesprochen werden sollen und Kritiker dieses vermitteln - anders darstellbar.

Dass es anders geht, zeigen die Illustrationen zur Wende-Geschichte "Das unerwartete Glück". Zum Inhalt dieser Geschichte erscheinen die Teile "graue DDR" oder auch allgemeiner "graue Diktatur" und die grauen Soldaten, an denen lediglich die Schulterklappen golden sind, ein bisschen aufgesetzt. Die Anspielungen auf Pink Floyds "The wall, die Hexe der Märchenwelt oder auch die an Michelangelos Bild der Schöpfung von Adam nimmt man auch als Zitat zur Kenntnis. Sie wiegen aber das Abstoßende gerade der zwei Zeichnungen mit den je zwei Händen nicht auf. Diese Hände sind nicht helfend ausgestreckt, sie sind eher Klauen, die die je andere Hand ergreifen will. Im Kopf stellt sich nicht ein: "..., um zu helfen".

Noch kurz zu den Inhalten: In "Das unerwartete Glück" sitzt ein Fotograf vor dem Café und wartet, dass sich vielleicht etwas am oder um den Kreisverkehr ereignet. In der Tat erleben wir, dass eine Frau mit leuchtend rotem Haar eine Begegnung mit einem Autofahrer hat, dass dieser kurz nach dem Aussteigen einen Herzanfall hat, und die ersten Wiederbelebungsversuche der Rothaarigen erfolglos sind. Die Liebenden sind aber nicht Fotograf und Rote, sondern dieser und die Bedienung, die in 15 Minuten Feierabend hat.
Die kürzere Geschichte handelt von einer selbstverliebten Prinzessin, der weder Spiegel noch Brunnenwasser-Oberfläche genügen, um sich selbst im Spiegelbild zu sehen. Also sucht sie "das" Auge eines Mannes, in dem sie das finden wird, wonach sie sucht: Sich also. Und so spiegelt sich in einem Auge des großen und feschen Bauernburschen mit nacktem Unterleib, im anderen mit rotem Kussmund. "Und die Königin schloss ... / für längere Zeit ... / die Augen".

Beide Geschichten sind aus den genannten oder angedeuteten Gründen für den Unterricht nicht geeignet - und auch nicht für Jugendliche zum Selbstlesen zu empfehlen.


Bewertung

 eingeschränkt empf.

Rezensent

 uhb, Niedersachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
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