GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Clay, Susanne
Titel Der Feind ganz nah
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-401-02744-9 Reihe Arena live
Verlag Arena, Würzburg, 2009
Seitenzahl 214 Preis 5,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Klassenlesestoff
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Biografie/Biografische Erzählung
Zielgruppe 14-15
Inhaltsangabe Matti ist vier, als sein Vater ihn zum ersten Mal schlägt. Danach geschieht es immer wieder. Als er 14 ist, bricht der Vater der Mutter das Nasenbein. Der einzige, der davon weiß, ist Berry, der Sohn des Immobilienmaklers. Berry lebt auf der Straße, er weiß, wovon Matti spricht. Er ist es, der Matti und seiner Familie hilft, einen neuen Anfang zu machen, ohne Angst und Schläge.
Beurteilungstext Gewalt und Aggression in der Familie ist oft so versteckt, das nur selbst Betroffene merken, was los ist. Oft ist es ein langer Weg, aus so einer Situation frei zu kommen.
Als Matti mit gerade vier Jahren zum ersten Mal von seinem jähzornigen Vater geschlagen wird, geht die Mutter mit ihm fort. Der Vater verspricht, sich zu ändern und sie kehrt zurück. Dann wird noch ein Kind geboren. Für die Mutter ist es noch schwieriger, weg zu gehen.
In dieser Geschichte wird beschrieben, wie blind die Gesellschaft ist. Da ist eine Familie, die in einem schönen Haus wohnt. Keiner ahnt, was sich hinter verschlossenen Türen abspielt. Die Scham bei Mutter und Sohn ist zu groß, als dass sie sich Jemandem anvertrauen können. Es wird alle Kraft verbraucht, Spuren der Schläge zu verbergen und sich so anzupassen, das der Täter möglichst keine Veranlassung für seinen Zorn hat. Wie unmöglich das Letzte ist, machen die Familienszenen deutlich, die beschrieben werden. Mahlzeiten sind die Hölle. Eine nicht korrekt liegende Wurstscheibe lässt die Situation fast kippen. Nur die Unterwürfigkeit der Mutter verhindert einen Jähzornsausbruch des Vaters. Die Mutter ist längst nicht mehr in der Lage, ihre Kinder zu schützen. Der Zorn des Sohnes auf den Vater wächst.
Auch die Psyche des Vaters wird betrachtet. Wie ist er so geworden? Die Mutter versucht, beim Sohn ein gewisses Verständnis für den Vater zu erzeugen. Der Vater ist nach seinen Ausbrüchen oft verzweifelt, statt sich Hilfe zu holen, flüchtet er sich zunehmend in Alkohol und Selbstverteidigung. Der Sohn dient ihm zur Aufarbeitung seiner eigenen traumatischen Kindheit.
Der Leser fragt sich immer wieder, wann die Mutter endlich handelt und ihre Kinder schützt. Ohne die Hilfe von Berry, wäre sie nicht in der Lage gewesen, weg zu gehen. Berry entschied sich, aus Opposition zu seinem gewalttätigen Vater, auf der Straße zu leben, also das Gegenteil davon zu tun, was der Vater von ihm erwartet.
Kinder sind Gewalt in der Familie hilflos ausgeliefert, wenn niemand sieht, was los ist. Sie brauchen die Aufmerksamkeit ihres Näheren Umfeldes. Wenn ein Kind sich so seltsam wie Matti verhält, müssen alle Alarmglocken schrillen, bei Lehrern , Erziehern, Nachbarn und Mitschülern. Dieses Buch ruft auf zum Hinschauen und Unterstützen. Auf den letzten Seiten findet man Hilfsangebote für Betroffene. Es ist ein geeignetes Buch, um Gewalt in der Familie in Schulen, Mädchen -oder Jungengruppen zu thematisieren.
Bewertung

 empfehlenswert

Rezensent

 KOST, Sachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
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