GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Tami Shem-Tov,
Titel Das Mädchen mit den drei Namen
Übersetzer / Originalsprache Pressler, MirjamHebräisch u Holländisch
Illustrator
ISBN 978-3-596-85373-1 Reihe
Verlag Fischer Schatzinsel, Frankfurt, 2009
Seitenzahl 302 Preis 14,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
für Arbeitsbücherei
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Autobiografie/Autobiografische Erzählung
Zielgruppe 14-15
16-17
ab 18
10-11
12-13
Inhaltsangabe Lieneke, ein 10-jähriges jüdisches Mädchen muss sich während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in den Niederlanden bei einer befreundeten Familie verstecken. Die liebevollen Briefe ihres Vaters helfen ihr, die schwere Zeit zu überstehen.
Beurteilungstext Menschen sind die überraschendsten Geschöpfe; die es gibt, sowohl im Guten wie im Schlechten, vor allem in Kriegszeiten."
Dieser Ausspruch stammt von David, der, wie Lieneke, auf der Flucht vor den Nationalsozialisten im Haus von Dr. Kohly - einem Landarzt, der im Widerstand arbeitet - Unterschlupf fand.
"Das Mädchen mit den drei Namen" erzählt von einer schrecklichen, düsteren Zeit und von wunderbaren Menschen, die ihr eigenes Leben riskierten, um Verfolgten und vom Tode Bedrohten zu helfen.
Die 10-jährige Lieneke, die in glücklichen Zeiten Jaqueline hieß, muss erleben, wie ihre Familie nach dem Überfall der Nazis durch deren Schikanen und Bedrohungen auseinandergerissen wird.
Lieneke und ihre drei Geschwister werden an verschiedenen Orten bei Freunden versteckt und dort trotz großer Entbehrungen und der Gefährdung des eigenen Lebens von diesen sicher durch schwerste Zeiten gebracht.
Das Besondere und Einzigartige an diesem Buch sind die geheimen, liebevoll illustrierten Briefe, die der Vater - Jacob van der Hoeden - an seine Tochter Lieneke schrieb, um ihr die Trennung zu erleichtern und um den Kontakt nicht abreißen zu lassen.
"Praatjes met Plaatjes, "Praatjes met Lieneke" , "Babblepraatje met Lieneke, und viele andere authentische Briefe vermitteln dem Leser auf bewegende Weise die menschliche Wärme und die Klugheit des Vaters, der seiner Tochter in ihrer verzweifelten Situation immer wieder Mut macht, durchzuhalten.
Ermöglicht wurde der geheim gehaltene Briefaustausch durch Dr. Kohly und das gut funktionierende Netzwerk der Menschen, die im Widerstand tätig waren.
Dr. Kohly hatte, entgegen der Vereinbarung mit Jacob van der Hoeden, die Schriftstücke aus Sicherheitsgründen sofort zu vernichten, alle Briefe in einer Blechdose aufbewahrt und sie im Garten vergraben.
So war es möglich, sie nach der Befreiung in gut erhaltenem Zustand an Lieneke zurückzugeben.
Diese wunderschönen Bilderbriefe wurden später von Tami Shem-Tov, einer israelischen Schriftstellerin in ihrer Erzählung "Das Mädchen mit den drei Namen" ( in Englisch: "Letters from Nowhere") vollständig in niederländischer Sprache mit deutscher Übersetzung abgebildet.
Die Authentizität der Geschichte wird im Anhang des Buches durch Fotos von der Familie van der Hoeden und durch ein Interview der Autorin mit Lieneke, die heute als Nilli Goren in Israel lebt, bestätigt.
Die Originalbriefe befinden sich im Kindergedenkmuseum Yad La Yeled. Es sind bewegende Zeitdokumente, die von der Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus', vor allem aber von großer Menschlichkeit all derer, die ihr eigenes Leben riskierten, um Menschen in Not zu retten, Zeugnis ablegen.

Ein wunderbares Buch, für Kinder geschrieben, aber für alle Altersstufen geeignet.
Die Erzählung endet mit der zufriedenen Feststellung Nilli Gorens, dass es dem Bösen letztendlich nicht gelungen ist, ihre Familie auszulöschen.

Linekes Geschichte eignet sich in hervorragender Weise für das Thema "Nationalsozialismus" im Unterricht der 5. und 6. Klasse.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 EU, Niedersachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
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