GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Schröder, Patricia
Titel Auserwählt - Ein Mädchen zwischen Sekte und Freiheit
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-596-80880-9 Reihe
Verlag Fischer Schatzinsel, Frankfurt, 2009
Seitenzahl 297 Preis 7,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Adoleszenzroman
Zielgruppe 14-15
Inhaltsangabe Yara ist 16 und frisch verliebt in Jasper, der ihre Gefühle erwidert. Doch sie leidet unter dem permanenten Streit ihrer Eltern: Yaras Mutter besucht spirituelle Versammlungen einer kleinen Glaubensgemeinschaft, was der Vater ablehnt. Die Mutter drängt Yara, sie zu den Treffen zu begleiten und der Gruppe beizutreten.
Beurteilungstext Yara ist ein ganz normaler Teenager. Sie geht zur Schule, versteht sich gut mit ihrer kleinen Schwester und freut sich darauf, mit ihrer Freundin Francine eine Party zu besuchen. Dort lernt sie Jasper kennen; per SMS halten die beiden Kontakt und treffen sich bald wieder.
So weit könnte alles in Ordnung sein - wäre da nicht Yaras Mutter, die seit einiger Zeit auf einem Selbstfindungstrip ist. Sie gehört zu einer Gruppe um den Guru Bajiu-Ra; überall in der Wohnung hängen Bilder eines indischen Heiligen. Francine stellt bei einem Besuch neugierige Fragen und Yara erzählt, was sie über Bajiu-Ra weiß. Der Leser wird so "ganz nebenbei" informiert und die Autorin kann neutral erzählen.
Doch Yara macht sich auch selbst viele Gedanken und kommt zu dem Schluss, dass sie ja wenigstens einmal zu einem Treffen mitgehen kann, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Außerdem kann sie ihrer Mutter sowieso nichts abschlagen, und hofft, dass diese dann endlich Ruhe gibt. Das alles wird flüssig erzählt und ist für den Leser gut nachvollziehbar - man fragt sich, wie man selbst an Yaras Stelle handeln würde.
Yara wird der Liebling des Bajiu-Ra - angeblich ist sie eine Auserwählte - und genießt die Bewunderung der anderen durchaus. Auch Francine hat sich der Gruppe angeschlossen; die Gespräche zwischen den Mädchen gehen also weiter. Dabei wird deutlich, dass Yara nicht alles versteht, was um sie herum geschieht. Doch sie beschließt, ihre inneren Widerstände aufzugeben, wie es die Mutter immer wieder verlangt hat. Auf Geheiß des Gurus trennt sie sich sogar von ihrem Freund und bricht den Kontakt zum Vater ab. Viel zu spät merkt sie, welche Gefahr von Bajiu-Ra ausgeht und muss handeln.
Nach Yaras Flucht gibt es ein Gespräch zwischen ihr, Jasper, dem Vater und einem Pastor, der die Gruppe um den Guru schon seit einigen Jahren beobachtet. Wieder bringt die Autorin die Informationen in der wörtlichen Rede der Figuren unter: Die arglistige Vorgehensweise des Gurus wird enthüllt.

Fazit:
Mit "Auserwählt" ist Patricia Schröder ein spannendes und realitätsnahes Buch gelungen. Der Konflikt zwischen den Eltern wird plausibel beschrieben. Beide versuchen, die Kinder auf jeweils ihre Seite zu ziehen. Diese Erfahrung können sicher viele Trennungskinder nachvollziehen.
Der Leser ahnt schnell, dass die Versprechungen der Gruppe nur Hirngespinste sind. Doch Yaras Mutter und vor allem Francine wiederholen immer wieder gebetsmühlenartig die Phrasen des Gurus. Es ist allerdings schwer nachzuvollziehen, aus welchem Grund die Mutter letztlich sogar beide Töchter mit in die Sekte hineinzieht.

Zum Schluss wird kurz und ohne weiteren Kommentar berichtet, was die polizeilichen Ermittlungen und die Gerichtsverhandlung gegen den Guru ergeben haben.

Das Buch ist vor allem als thematische (weniger als literarische) Unterrichtslektüre geeignet.
Bewertung

 empfehlenswert

Rezensent

 , Niedersachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
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