GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Landman, Tanya
Titel Apache
Übersetzer / Originalsprache Schmitz, BirgitEnglisch
Illustrator
ISBN 978-3-551-58212-4 Reihe
Verlag Carlsen, Hamburg, 2010
Seitenzahl 269 Preis 14,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Abenteuererzählung
Zielgruppe
Inhaltsangabe Die 14-jährige Siki, Tochter der Apachen, erlebt die letzten freien Tage ihres Volkes. Es lebt im Einklang mit der Natur ein hartes Leben, als aber die ersten weißen Siedler kommen, prallen mit wütender Gewalt zwei völlig unvereinbare Lebenswelten aufeinander. Das kann nur auf Kosten der Alteinwohner des Landes gehen. Mit Wut und Mut entscheidet das Mädchen sich für den Kampf, gegen ein Leben als Squaw. Aber alle Fähigkeiten, die sie entwickelt, helfen nicht gegen die Weißen.
Beurteilungstext Die Autorin kennt ihre Indianer genau - deswegen weiß ich nicht so recht, warum sie den Begriff “Apachen” benutzt (die Zuni nannten sie Apachu - Feind, sie selbst nannten sich Inde (Volk). Aber in der gesamten Welt der Mythen und Rituale ist sie Zuhause. Der Leser ergreift auch gleich Partei für das junge Mädchen, das ihren Altersgenossen überlegen ist, das durch ihre grausamen Erfahrungen geprägt zu einer Kämpferin heranwächst.
Auch wenn die Ich-Erzählerin ihren Stammesbräuchen fest verbunden bleibt, erkennt sie doch, was die weißen Menschen bewegt, wie sie denken und handeln - auch wenn sie das als unverständlich beschreibt. So gelingt der Autorin der Spagat, einerseits die Perspektive der Indianer nicht zu verlassen, andererseits das Handeln Weißer nicht als nur unvernünftig darstellen zu müssen. Darüber hat der weiße Leser ohnehin genügend erfahren oder in Filmen gesehen. Weniger bekannt ist ihm die Innenwelt der Indianer. Die ist vor allem durch rituelles Denken geprägt, das dermaßen stark und starr ist, dass es sich auch nicht auf die seinerzeit noch nie zuvor erlebte neue Situation einer Invasion von Fremden einstellen kann. Der Untergang des freien Volkes des Apachen (für alle Indianer stehend) ist auch durch diese innerliche Starrheit bedingt, nicht nur durch die Masse und die technische Überlegenheit der Weißen.
Ein nicht ganz logischer Knick entwickelt sich am Ende der Erzählung: Siki, die Kämpferin für die Freiheit der Apachen, muss erfahren, dass sie gar keine Indianerin, sondern eine als Baby geraubte Mexikanerin ist. Sie zerbricht fast daran. Kurz zuvor - und mehrfach im Text - wird aber betont, dass derlei “Adoptionen” bei den Indianern durchaus üblich waren und keinerlei Einfluss auf das Gefühl der Zugehörigkeit hatten, weder für die Stämme noch für die geraubten Kinder. Sie waren jetzt Indianer. Wieso soll das jetzt für Siki so wichtig sein?

Grundsätzlich problematisch aber finde ich etwas anderes: Geschildert wird das Leben eines Stammes in all seinen Facetten in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Diese Erzählung könnte - als Erwachsenenlektüre - zu den Klassikern der Indianerliteratur gezählt werden. Aber für Jugendliche halte ich zwei Aspekte für äußerst problematisch:
* Das Mädchen wächst mit einem Hass im Leib auf, der alle Maßstäbe übersteigt. Er ist logisch und begründet. Aber wir leben gut 150 Jahre später und ich erlebe reichlich Jugendliche, die einen solchen Hass meinen, in sich zu haben. Aber ohne wirkliche Begründung. Historisch gesehen ist das alles richtig, als Identifikationsfigur ist diese Siki aber wirklich aus der Steinzeit. Und nicht akzeptabel. Das aber ist eine so abstrakte Kategorie, dass sie Jugendlichen kaum vermittelbar ist.
* Siki ist Kämpferin und sie wird trainiert. Die Autorin kennt sich auch auf diesem Gebiet aus. Und sie begeht den Fehler, dass sie den Trainer (ich nenne den Vorbildkrieger Sikis mal so) hasst und liebt, bis sie ihn schließlich ganz liebt. Zudem ist er eine tragische Figur, vom Vorbildcharakter her aber ein guter Trainer. Und wer schon mal mit jungen Mädchen zu tun hatte, weiß, wie leicht sie ins Schwärmen geraten. Meiner Meinung nach geht die Autorin und ihr Held, der Trainer, ebenso, zu leichtfertig mit dieser Schwärmerei um, erst recht, als der dann auch noch im rechten Augenblick stirbt (wie ja alles um Siki herum) und sie noch schwanger von ihm wird. Soll das die große Hoffnung sein? Ist das nicht nur eine Rechtfertigung der Liebe zwischen einem Mädchen und einem mittelalterlichen Mann?

Fazit: Ein sehr gutes, sehr kenntnisreiches Buch über das Leben der Indianer, für Jugendliche aber weniger gut geeignet.
Bewertung

 eingeschränkt empf.

Rezensent

 cjh, Berlin

  in der AJuM Datenbank Ja
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