GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Andersen, Kenneth B.
Titel Antboy Der Biss der Ameise
Übersetzer / Originalsprache Dörries, MaikeDänischen
Illustrator Scholz, Barbara
ISBN 978-3-551-55559-5 Reihe
Verlag Carlsen, Hamburg, 2009
Seitenzahl 202 Preis 12,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Fantasy
Zielgruppe 8-9
10-11
Inhaltsangabe Der pummlige Pelle Blöhman, 11, genannt Blödmann, wird in der Schule von den starken Jungs terrorisiert. Freunde? Fehlanzeige. Und dann ist er auch noch hoffnungslos in Ida verliebt. Doch eines Tages wird Pelle von einer Ameise gebissen, die sich zuvor in die Mikrowelle verirrt hatte. Und plötzlich hat er Superkräfte! Hauptsache, er bekommt Zucker. Ein Superheld der besonderen Art ist geboren: Antboy. Aber so ganz leicht ist es selbst jetzt noch nicht, Gutes zu tun.
Beurteilungstext Der dänische Autor Kenneth Andersen hat in Antboy das Thema Mobbing in der Schule aufgegriffen und macht dabei auch vor der Beschreibung sehr demütigender Ereignisse, bei denen dem Leser das Lachen im Halse stecken bleibt, nicht Halt. Dagegen stellt er eine Lösung aus dem Fantasy-Bereich, nämlich die überraschende Wandlung des Gemoppten in einen jugendlichen Superhelden. Reizvoll ist dabei die Verschmelzung der realen mit der Fantasy-Welt. Der Junge, der sich als dickes Küken ganz unten in der schulischen Hackordnung versteht, braucht erst eine gewisse Zeit, um überhaupt zu erkennen, was mit ihm passiert ist. Dann ist er überwältigt von den Möglichkeiten, die sich ihm bieten: Sich an dem sadistischen Sportlehrer zu rächen und von nun an den Terrorzwillingen mit Höchstgeschwindigkeit zu entkommen. An dieser Stelle habe ich mich allerdings gefragt, ob es nicht möglich gewesen wäre, mit Hilfe der Superkräfte die beiden mehr zur Rechenschaft zu ziehen als nur vor ihnen wegzulaufen. Denn von nun suchen sie sich einfach andere Opfer. Die Konsequenz, die der Leser daraus zieht: Pelles Superkräfte beeinflussen zwar sein körperliches, aber nicht sein geistiges, sein intellektuelles Verhalten. Das finden wir auch an anderer Stelle, nämlich als Pelle seiner Rolle als Superheld gerecht werden will und sich zum Beschützer der kleinen Stadt aufschwingt. Was gründlich schief geht. Woraufhin er, wenig kritikfähig, beschließt, sich an der Stadt zu rächen und stattdessen Superschurke werden. Er will ins Museum einbrechen. Just in der Nacht, als echte Gauner es auf die wertvollen Gemälde abgesehen haben …
Der Roman ist in der Ich-Person geschrieben. Identifikationsfigur ist dabei Superheld Pelle, Jungenliteratur also. In einer Zeit, in der graphic novels auf dem Vormarsch sind, in denen komplexe Handlungen illustratorisch wiedergegeben werden, hat Andersen den gegensätzlichen Weg beschritten: Er hat einen Stoff, der traditionell in den Bereich der Comics gehört, versprachlicht. Die literarische Umsetzung ist, auch mit umgangssprachlichen Redewendungen, geglückt, wenn es um Pelles Assoziationen geht, gelegentlich regelrecht anspruchsvoll Handlungen.
Inhaltlich bleibt dagegen einiges offen: Die Frage nach echter Gerechtigkeit zum Beispiel. Das "moralische" Potenzial, das diese lustige Verwandlung in sich birgt, wird nicht ausgeschöpft. Ein Kinderbuch sollte absolut nicht moralinsauer sein. Aber wenn wir es schon mit Superhelden zu tun haben, dürften sie schon das Beste daraus machen. Da wäre zum Beispiel eine Vernetzung von körperlichen und sozialen Attributen denkbar gewesen.
Das Buch hat 24 Kapitel, die allesamt Überschriften haben. Auf ein Kapitelinhaltsverzeichnis wurde dagegen verzichtet.
Uneingeschränkt gelungen sind dagegen die Illustrationen zu dem Buch. Die Bilder von Barbara Scholz sind liebe-, fantasie- und humorvoll. Originell ist auch der Schriftzug von Antboy auf dem Cover, der dem Schriftzug von Superman entspricht.
Bewertung

 empfehlenswert

Rezensent

 krä, Berlin

  in der AJuM Datenbank Ja
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