GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Thien,Matthias und Weber,, Annette
Titel Abgehauen
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-8346-0574-0 Reihe
Verlag an der Ruhr, Mülheim a d Ruhr, 2009
Seitenzahl 107 Preis 6,50 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten für Arbeitsbücherei
Klassenlesestoff
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Autobiografie/Autobiografische Erzählung
Zielgruppe 12-13
14-15
Inhaltsangabe Dieser authentische Roman wurde unter einem ausgedachten Namen und mit Hilfe der Autorin Annette Weber aufgeschrieben. Ein äußerst hartes, aber sehr glaubhaftes Schicksal kommt zu Tage. Matthias fällt es schwer, seine Verletzungen, seine gefühlsmäßige Abstumpfung und das Aufkeimen von Gewalt zu schildern. Indem er sich äußert, verstärkt sich der Wille, dagegen anzugehen und nicht aufzugeben.
Beurteilungstext Dieser Ich-Text eines Jugendlichen ist in einfachen Sätzen (z.B. viele “dann”- und “wenn”-Reihungen) geschrieben. Der ungewohnte Schreiber benutzt moderne Alltagssprache, die bisweilen äußerst konzentriert wirkt, wie um Fehler zu vermeiden oder stilistisch variationsreich zu wirken - vielleicht hat er den Text auch mehrfach nach Hinweisen der Autorin überarbeitet, sonst wären vermutlich auch noch mehr Spuren von Zorn oder anderen Gefühlen und Jugendslang anzutreffen. Der Text spricht inhaltlich unmissverständlich an, ohne Spannungsbögen und Höhepunkte erlitt Matthias so viele Tiefschläge, dass man beim Lesen nur staunen kann und sich wundert, dass nicht mehr gewaltsame Entladungen vorkommen.
Matthias´ Vater kommt bei einem Unfall ums Leben. Die Mutter(Alkoholikerin) gibt das Kleinkind zur Adoption frei, um sich einem neuen Partner zu widmen. Er kommt in ein Kinderheim, wo er lange auf Adoptionseltern warten muss. Als endlich welche ihn auswählen, wird die neue Familie kein Zuckerschlecken. Zwar lernt er mit fünf Jahren endlich richtig laufen und sprechen, doch der neue Vater verprügelt ihn häufig (krankenhausreif bis zu Knochenbrüchen), die Mutter gebärt doch noch ein “eigenes” Kind und Matthias wird sträflich vernachlässigt. Das führt immer öfter zu Fluchtversuchen und verschlimmert seine Lage weiter. Therapien, Heimaufenthalte und Wohngruppen sind weitere Stationen.
Die Geschichte bleibt offen. Viele Situationen bieten Gesprächsanlässe, fordern zu Lösungsstrategien im Rollenspiel heraus oder erleichtern das Reden und Schreiben über eigene Erfahrungen. Hierin liegt der Verdienst dieses Buches.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 verh, Hessen

  in der AJuM Datenbank Ja
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