GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Grädler, Iris
Titel Zauber der Kindheit - Autoren aus aller Welt erzählen aus ihrer Kinderzeit
Übersetzer / Originalsprache / 7
Illustrator INIT (Umschlag-u.Einbandge-st).
ISBN 978-3-577-14383-7 Reihe /
Verlag cbj, München, 2009
Seitenzahl 432 Preis 19,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Anthologie
Zielgruppe 12-13
Inhaltsangabe 33 international bekannte Schriftsteller erinnern sich an ihre Kindheit, die nicht für jeden ein Zauber war.
Beurteilungstext Eingeleitet durch das Vorwort der Herausgeberin, in dem sie sich an die Leser wendet, präsentiert die Anthologie Kindheitserinnerungen von 33 Autoren aus aller Welt. Die autobiografischen Erzählungen reichen von den 1920er bis in die 1970er Jahre, stehen jedoch nicht in chronologischer Reihenfolge. Den einzelnen Beiträgen sind Kinderfotos sowie eine signifikante Stelle aus dem darauffolgenden Erzähltext vorangestellt. Im Anhang befinden sich Quellenangaben und Kurzbiografien der Autoren sowie Bildnachweise für die im Text verwendeten und bereits im Vor- und Nachsatz des Buches locker eingestreuten Fotos.
“Zauber der Kindheit”, der Titel der Anthologie, der von vornherein einige Fragezeichen evoziert, scheint durch die erste Erzählung jedoch gerechtfertigt zu sein. Es ist ein Originalbeitrag von Roger Willemsen, der in witzig-ironischem Erzählton seine Kindheitserinnerung bereits mit der Vorstellung seiner Zeugung beginnt. Ähnlich bei Dario Fo, der seine Kindheit in Italien an der Grenze zur Schweiz erlebt, sich an skurrile Situationen erinnert und meint: “Ich träumte wohl schon damals wie ein Drehbuchautor” und dann als solcher später auch bekannt und ausgezeichnet wurde. Während Astrid Lindgren in ihrer Erinnerung der Überzeugung ist, wie Leser ihres Buches “Das entschwundene Land” bereits wissen, dass es “eine gute Sache (war), Kind im Pferdezeitalter zu sein.” Wenn dagegen Ulrich Treichel unumwunden feststellt: “Meine Kindheit war nicht gut”, dann spüren die Leser, dass ständige Diskriminierung wegen Körperfülle z.B. einem Kind das Gefühl psychischer Sicherheit nehmen und es unglücklich machen kann. Alle Erzählungen stehen in einem historischen Kontext, die Zeit politischer Flüchtlinge in Europa, die unruhigen Zeiten in Israel spielen in den Erinnerungen ebenso eine Rolle, wie die Monstrositäten nach der Kulturrevolution in China, die westlichen Lesern wegen der zugrundeliegenden Realitäten verwirren und beunruhigen können und auch sollen. Wenn im Vorspann zu Tschingis Aitmatows Erinnerungen an seine Kindheit in Kirgisien zu lesen ist: “Die Kindheit ist nicht nur eine herrliche Zeit, die Kindheit ist der Zellkern der künftigen Menschenpersönlichkeit”, dann werden Leser angeregt, darüber nachzudenken. Sie können in der Anthologie wie in einem Album blättern und sich jeweils in eine der Erzählungen vertiefen. Jede einzelne von ihnen ist lesenswert, ganz gleich, ob in ihr die Kindheit aus nostalgischer Sicht verklärt oder aus kritischer Distanz betrachtet wird. Zudem werden Leser nicht nur ermuntert, sich der eigenen Kindheit zu erinnern, sondern vielleicht auch dazu, z.B. den Roman “Eine Geschichte von Liebe und Finsternis” von Amos Oz und andere Autobiografien zu lesen.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 Wie, Hessen

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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