GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Bardeli, Marlies
Titel Timur und die Erfindungen aus lauter Liebe
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator Kuhl, Anke
ISBN 978-3-7941-6096-9 Reihe
Verlag Sauerländer bei Patmos, Düsseldorf, 2009
Seitenzahl 134 Preis 14,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Klassenlesestoff
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Erzählung
Zielgruppe 10-11
8-9
Inhaltsangabe Wer hat eigentlich den Besen erfunden? fragt Timur seine Mutter. Ihre Antwort: Herr Kubin! Und schon erzählt sie ihm von Herrn Kubin, der heimlich in die schöne Agatha verliebt ist und ihr mit seinen Erfindungen das Leben schöner und leichter machen will. Doch Agathas Liebe gewinnt er damit noch nicht. Im Gegenteil: Der reiche Herr von Ackerfeld droht das Rennen um ihr Herz zu machen! Schließlich reicht es Timur: Er springt mitten in die Geschichte und greift ein.
Beurteilungstext Eine fantasievolle Mutter erzählt ihrem Sohn Geschichten, zieht ihn damit völlig in den Bann, und der Vater, so er denn mal von der Arbeit zu Hause ist, macht sogar mit. Ein kleines bisschen stört hier die Selbstverständlichkeit, mit der die Mutter den Haushalt schmeißt. Mal könnte ja auch der Vater zum Besen greifen. Das tut er zwar nicht, aber umwirbt seine erzählende Frau, indem er Herr Kubins Anregungen aufgreift und sich sogar Gedichte für Agatha ausdenkt, die die Geschichte poetisch untermalen.
Die Geschichten führen uns ins Mittelalter, was einem erst richtig bewusst wird, wenn man zu den reizenden Bildern von Anke Kuhl kommt. Sie helfen dabei, das Erzählte einzuordnen, sich von Agatha, Herrn Kubin und seinem Rivalen Herrn von Ackerfeld ein Bild zu machen. Diese Illustrationen sind ausgesprochen lustig und liebevoll mit mittelalterlichen Details ausgeschmückt. Davon hätte ich mir mehr als die vorhandenen sieben gewünscht. Sehr nett hier auch die Aufnahme des anonymen Gedichts aus dem 12. Jahrhundert:

Dû bist mîn, ich bin dîn.
des solt dû gewis sîn.
dû bist beslozzen
in mînem herzen;
verlorn ist das sluzzelîn:
dû muost ouch immer darinne sîn.

Wer hätte gedacht, dass auch dieses Gedicht auf Herrn Kubin zurückgeht? ;-)

In dem Moment, als Timur von dem Zögern des Erfinders genug hat (S. 56) - er ist einfach zu schüchtern, um die schöne Agatha anzusprechen -, kippt die Geschichte etwas. Anklänge an Tintenblut und Die unendliche Geschichte, in denen der passive Zuhörer/Leser zum aktiv Handelnden wird, sind unüberhörbar. Zugleich wird dadurch die Identifikation mit Timur für den kindlichen Leser leichter.
Die Kapitel sind kurz und flott geschrieben, zunächst im munteren Wechsel zwischen der mütterlichen Erzählung und Timurs Fragen. Als der Junge selbst in die Geschichte eingreift, wird er derjenige, der sie seinen Eltern erzählt, wie es mit Herrn Kubin und Agatha weitergeht. Das Buch endet mit einer Weihnachtsszene: Herr Kubin entscheidet den Wettstreit mit Herrn von Ackerfeld um Agathas Liebe für sich, indem er der Verehrten einen geschmückten Weihnachtsbaum samt Kerzen schenkt. Gegen so viel Kreativität kommt auch der dicke Goldbeutel des Adligen nicht an!
Warum ich das Buch auch als Klassenlesestoff empfehle: Die Bezeichnungen, die Agatha für die Erfindungen ihres scheuen Verehrers hat, sind witzig und regen die Fantasie an. Ähnliches ist im Deutschunterricht vorstellbar: ein Besen ist ein Stockfeger, eine Wäscheleine ist ein Wäschetrocknungstrick, eine Schaukel ein Näher-zum-Himmel-Spiel oder ein Fliegesitz und ein Regenschirm ist ein Flügelstock, ein Stoffbaum.
Bewertung

 empfehlenswert

Rezensent

 krä, Berlin

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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