GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Visser, Rian
Titel Theodor trödelt
Übersetzer / Originalsprache Blatnik, MeikeNiederländisch
Illustrator Smit, Noelle
ISBN 978-3-939944-27-0 Reihe
Verlag Tulipan, Berlin, 2009
Seitenzahl 32 Preis 12,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Bilderbuch
Zielgruppe 4-5
Inhaltsangabe Wie jeden Tag soll der Igel Theodor rechtzeitig mit seiner Mutter zur Schule gehen. Doch er nimmt es mit der Zeit nicht so genau, überhört die mütterlichen Anweisungen und agiert nach seinem Rhythmus. Kein Wunder, dass beide zu spät zur Schule kommen. Dennoch ist er zur rechten Zeit am rechten Ort. Denn er bemerkt rechtzeitig den ohnmächtigen Herrn Vogel, für dessen Rettung er gelobt wird.
Beurteilungstext Mit dem Igel Theodor können sich sicher viele deutsche Kindergartenkinder identifizieren. Zwar ist er bereits in der Schule. Da es sich jedoch um eine Übersetzung aus dem Niederländischen handelt, ist von der Basisschule auszugehen, die Kinder ab dem vierten Lebensjahr aufnimmt. Daher wird Theodor auch von der Mutter in die Schule gebracht und täglich stellen sich ihr die bekannten Probleme ihres Kindes im Umgang mit der Zeit. Theodor lebt nach seinem eigenen Rhythmus, während der Mutter die undankbare Rolle der Ermahnerin zukommt. Ist er noch zu "verspielt" für einen strengen, disziplinierten Tagesablauf? Beim Lesen der Geschichte wird das unterschiedliche Erleben von Mutter und Kind deutlich. Die Mutter steht unter Zeitdruck; vermutlich ist sie auch berufstätig und die Schule beginnt pünktlich. Der kleine Junge ist lebendig, voller Ideen und Vorhaben. Zunächst spielt er, dann räumt er freiwillig auf, danach singt er, dann braucht er lange, um sich richtig anzuziehen. Dieses verzögerte Weggehen erinnert an Rituale der Kinder, die abends nicht ins Bett wollen. Warum will Theodor nicht rechtzeitig aufbrechen? Über Theodors Motive, sein Verhalten und das seiner Mutter könnten sich Kinder austauschen. Auch die Neugierde und Offenheit von Kindern, die auf dem Weg Theodors zur Haltestelle deutlich werden, sind kindliche Verhaltensmuster mit Wiedererkennungseffekt. Theodor zeigt sich als sehr kommunikatives Kind, das sich Zeit für andere Menschen nimmt. Dass dieses soziale Verhalten sogar lebensrettend sein kann, lässt Rian Visser erkennen, als Theodor Herrn Vogel im Schulhof vermisst und diesen schließlich ohnmächtig entdeckt. Er zeigt, dass er selbständig reagieren kann, indem er rechtzeitig die Lehrerin ruft, und sozial kompetent ist, weil er mit seiner Mutter Herrn Vogel im Krankenhaus besucht. Doch trotz dieser guten Eigenschaften nervt die Mutter weiterhin Theodors Trödeln. Am Ende der Geschichte nimmt Theodor selbstbewusst Mutters Haltung ein und belehrt diese mit erhobenem Zeigefinger. Die Geschichte wirft somit auch die Frage der Autorität in der Erziehung auf, wobei die Mutter als Erziehende eine undankbare Position einnimmt. Sollen Kinder auf die Anweisungen Erwachsener hören oder ihren eigenen Impulsen und Träumen nachgehen? Bedarf Erziehung nicht fester Regeln, an denen sich Kinder orientieren können? Wieviel Freiraum brauchen Kinder? Noelle Smit vermittelt mit ihren großformatigen, bunten Illustrationen, die den Text begleiten, eine fröhliche Stimmung. Sie vermischt die Lebenswelt des Igels mit der eines Kindes und bietet somit Kindern viel Gelegenheit zum Staunen und Entdecken. Denn ein Kinderzimmer im Freien auf der grünen Wiese ist ein ungewöhnlicher Anblick. Die quirligen Aktivitäten Theodors setzt die Illustratorin mit viel Dynamik um. So spielt er auf dem Keybord, begleitet von Vögeln, während der Arm seiner Mutter zu erkennen ist, die ihn zur Eile ermahnt. Die Ungeduld der Mutter wird deutlich dargestellt; entweder durch die Größe ihrer Abbildung, durch den Blick auf die Uhr, durch ihre strenge Mimik und den ausgestreckten Zeigefinger. Der Ärger der Mutter über ihren trödelnden Sohn und dessen nicht nachlassende Neugierde und Entdeckerlust sind für Kinder in den abgebildeten Figuren und deren Verhalten gut ablesbar. Die Geschichte wird durch die Abbildungen sinnvoll ergänzt. Farbenfreude und Phantasie der Illustrationen vermitteln Lust zum Betrachten.
Bewertung

 empfehlenswert

Rezensent

 Pg, Baden-Württemberg

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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