GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Krüger, Jonas Torsten
Titel Pilgerweg durch die Hölle
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-8000-5510-4 Reihe
Verlag Ueberreuter, Wien, 2009
Seitenzahl 269 Preis 14,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Klassenlesestoff
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Historische Erzählung
Zielgruppe 12-13
14-15
Inhaltsangabe Amaury sieht als zweitgeborener Färbersohn einer Zukunft als Bauer entgegen, bis er eines Tages das Leben eines Kreuzritters rettet. Dieser beschließt ihn mit auf eine gefährliche Mission zu nehmen, denn jemand plant ein Attentat auf die Pilgerkathedrale Santiago de Compostela. Amaury findet sich schon bald in einem Wettlauf auf Leben und Tod wieder, an dessen Ende er alles gewinnen kann, oder sein Leben verliert.
Beurteilungstext Die Geschichte um den jungen Amaury, dessen Schicksal in der selbstverständlichen Unterwerfung seiner Zeit besiegelt scheint, beginnt düster. Es scheint kein Entrinnen aus den festgefahrenen Strukturen zu geben. Die Rettung des Kreuzritters rückt den eher schmächtigen, seinem älteren Bruder weit unterlegenen Jungen in ein anderes Licht. Mut und Entschlossenheit treiben ihn an. Zwei Eigenschaften, die er auf dem Jakobsweg, der viele Stationen der Hölle für ihn bereithält, dringend braucht. Der Kreuzritter leitet ihn an, weist ihm den Weg und fordert ihn auf, sich selbst zu finden und seine Zukunft in die eigenen Hände zu nehmen. Ein durchaus fortschrittlicher Gedanke für die Zeit um 1230. Um so interessanter wird der Roman, als Amaury auf die junge Gauklerin Pilar trifft, die ihm in punkto Selbstbestimmung und Eigeninitiative einen großen Schritt voraus ist.
Die beiden Protagonisten werden zur Identifikationsfigur und bleiben nahbar für junge Leser, da der Autor es versteht, ihre Gefühle wie Mut, Angst, Einsamkeit und Liebe und eine ganze Menge mehr greifbar und nachempfindbar werden zu lassen.
Die Sprache des Romans orientiert sich teilweise an der Zeitvorgabe. Ein Anhang erklärt Begriffe, die Jugendliche heute nicht mehr einordnen können und gibt dem Roman somit eine besondere Qualität. Im Nachwort erläutert der Autor interessanter Weise auch, welche Worte er nicht verwenden konnte, da es sie zu fraglichen Zeit noch nicht gab. Die Schwierigkeit einen für uns heute scheinbar zeitlosen Satz zu überprüfen und verwerfen zu müssen, wird hier deutlich und kann somit auch zur Reflexion über Sprache anregen.
Der Autor räumt jedoch ein, dass er dieses Verfahren der Überprüfung nicht durchgängig eingehalten hat, um dem Roman einen steifen Nachahmungscharakter zu ersparen. Dies ist eine gute Entscheidung, da somit zwar die korrekte Wortwahl stellenweise leidet, die Authentizität aber gewahrt bleibt. Ein zu befremdlich wirkender Text hätte die spannende, durchaus, wenn auch in anderem Rahmen, aktuelle Thematik des Romans aus dem Identifikationsempfinden der Jugendlichen gelöst.

Brutalität bleibt einem Roman, dessen Titel Himmel und Hölle vereint, nicht erspart. Es geht um Glaubenskrieg und Machtbesessenheit, um nichts weniger, als die Frage nach dem wahren Glauben.
Die Suche des Lesers an der Seite des verwirrten Amaury wird dann auch durch eine alte und zugleich moderne Antwort belohnt.
Die Gewaltszenen blenden nicht aus, überblenden nicht und stellen auch den Augenblick des Todes nicht in den Schatten. Schmerz, Todeskampf und Angst vor dem Töten gehören dazu und werden mutig verbalisiert, teilweise filmartig aufbereitet.

Auch wenn dieser sehr empfehlenswerte Roman sich in seinem Hauptteil nicht auf historische Fakten berufen kann, sind Thema und Erfahrung der Protagonisten aktuell, damals wie heute.






Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 SZ, Nordrhein-Westfalen

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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