GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Franzobel,
Titel Picus - Eine Strandnovelle
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator Berger, Rita
ISBN 978-3-85452-644-5 Reihe
Verlag Picus, Wien, 2009
Seitenzahl 56 Preis 9,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Klassenlesestoff
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Novelle
Zielgruppe 14-15
16-17
ab 18
Inhaltsangabe Ein Wortverliebter, Sprachbeherrscher, Sinnspieler und -verdreher aus Österreich, der sich kurz "Franzobel" nennt, schreibt von sich und seiner Frau an der Nordsee. Das Titelbild verrät, dass die beiden sich nicht nur lieben, sondern ausgelassen und im weitausholenden Gleichschritt miteinander verwachsen sind. Was wie eine Assoziationskette aussieht, beendet sich in einer griechischen Sage, der von PICUS nämlich.
Beurteilungstext Rita Berger prägt mit ihren scheinbar einfachen schwarzen "Krakeluren" ganz erheblich das Bild, das wir uns vom Autor und seiner Frau machen. Da erzählt einer, assoziiert sich von Szene zu Szene weiter. Er beginnt mit einer "Duselstimmung" und beendet die Novelle mit einer solchen - beides Ausnahmen bei ihm, wie er versichert. Dazwischen spielt er mit der Sprache, macht uns bekannt mit seinen "Dagoberts, einem Synonym für Verbrecher, Verzeihung, Versprecher natürlich. Man spricht von Rüssel anstatt von Brüssel, Oldtimer (Alzheimer), Suppenstadt (Schurkenstaat). Kaum assoziiert er Schaumkronen von sich überschlagenden Nordseewellen mit einer partiellen Rasur, folgt, dass das Salzwasser die Schuhe auflöst und man sich beeile, ins Schwitzen gerät. Darauf wird Schwitzen ein Thema.
Das fließt so dahin, als hätte Franzobel den Titel des Buches völlig aus dem Auge verloren. Und plötzlich, gegen Schluss natürlich, macht das alles einen Sinn, auch wenn es ganz am Ende "fantastisch" wird.

Die "Novelle" ist ganz außer Mode gekommen. Umso schöner, dass sich hier jemand dieser Erzählform bedient - und das auch noch sehr gekonnt. Das Spielerische, Leichte mag ihm zufallen, ohne eine innere Struktur und einem Ziel würde er sich aber verzetteln, verirren, verbreiten. So spielt er mit der griechischen Mythologie, mit der unteilbaren Liebe zwischen Picus und der Nymphe, Tochter des Janus, die auch Circe nicht durchbrechen konnte, gibt dieser Sage jedoch eine eigene Wendung. Ganz wunderbar.

Gut geeignet für alle, die Freude an der Sprache haben, und an Picus, dem Buntspecht.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 uhb, Niedersachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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