GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Fuchs, Thomas
Titel Nullnummer
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator Schempf, Fabian
ISBN 978-3-522-18098-6 Reihe
Verlag Thienemann, Stuttgart, 2008
Seitenzahl 138 Preis 9,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart Buch: Softcover Gattung  Erzählung
Zielgruppe 14-15
Inhaltsangabe Nils wollte schon immer Journalist werden und so ergreift er die Möglichkeit und gibt eine Schülerzeitung heraus. Leider ist diese nicht erfolgreich. Die Themen sind nicht interessant genug. Erst als Nils den Stil der Zeitung ändert und sie mit wenig bekleideten Mädchen und zweifelhaften Artikeln füllt, wird sie ein Verkaufsschlager.
Beurteilungstext Nils, 14 Jahre, will an seiner Schule eine Zeitung gründen. Die typische Schülerzeitung hat leider keinen Erfolg, niemand will etwas über Neuwahlen im Stadtschülerring oder neue Konzepte für den Sportunterricht lesen. Die Zeitung verkauft sich nicht. Daher versucht er es mit reißerischen Artikeln. Und siehe da - mit wenig bekleideten Mädchen und Artikeln mit gedehnter Wahrheit lässt sich richtig Geld verdienen… Aus der Sicht des Ich-Erzählers bekommt der Leser Einsicht in die Gedanken und das Handeln von Nils. Zudem bietet das Buch viele Dialoge. Doch leider ist die Wandlung von Nils nicht glaubhaft. Erst setzt er sich dafür ein, dass es eine Schülerzeitung gibt und möchte ein seriöser Journalist werden, dann verliert er durch den Erfolg das rechte Maß und ist nur noch an den Verkaufszahlen interessiert. Recht plötzlich kommt am Ende die Läuterung und sein Gewissen setzt wieder ein. Mit einem großen Knall plant er den Abgang der Zeitung. Nils rutscht - anfangs ohne es zu merken - in eine Rolle hinein, die er sich eigentlich so nicht vorgestellt hat. Er entwickelt sich zunehmend zu einem rücksichtslosen Chefredakteur, dem alle Mittel recht sind. Der Leser bekommt den Wandel mit und kann ihn trotzdem nicht wirklich nachvollziehen, obwohl die Wahl der Erzählebene dies begünstigen (sollte). Leider wirkt die Geschichte überzeichnet und unwirklich. Zum Beispiel würde eine Schulleitung dem Treiben von Nils und seinen Redakteuren wohl nicht so lange zuschauen, die zu Verfügung gestellte Macht ist nicht plausibel. Und auch die Wandlung am Ende, als Nils endlich einsieht, wie viel Schaden er angerichtet hat, ist nicht glaubwürdig. Positiv zu erwähnen ist, dass der Leser einen guten Einblick in die Mechanismen des Boulevard-Journalismus erhält. Ein einfaches Fragezeichen hinter einer Überschrift, und schon setzt sich die Schlagzeile als Tatsache in den Köpfen fest, obwohl nur eine Frage ohne den geringsten Wahrheitsgehalt abgedruckt wurde. Das Buch ist leicht zu lesen und trifft mit seinem Thema die Wünsche der Jugendlichen, denn wer wäre nicht gerne der Star der Schule? Die beigefügten, grob gerasterten Schwarz-Weiß-Bilder zeigen die Schlüsselmomente und lockern das Buch auf. Das negative Bild dieses Zeitungsstils, welches der Leser erhält, verstärkt sich zusätzlich noch dadurch, dass Nils so unsympathisch wirkt. Er ist egoistisch und gedankenlos. So geht der Leser automatisch auf Distanz zu ihm und seinen Methoden. Dadurch erreicht der Autor neben der Unterhaltung seiner Leserschaft, dass sich der Leser Gedanken macht. Auch wenn die Geschichte alles in allem platt wirkt, werden die Mechanismen dieser Art der Nachrichtendarstellung kritisch dargestellt und es wird verständlich gemacht, mit welchen Mitteln Meinungen erzeugt werden können.
Bewertung

 eingeschränkt empf.

Rezensent

 BW-UKL, Baden-Württemberg

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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