GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Pressler, Mirjam
Titel Nathan und seine Kinder
Übersetzer / Originalsprache / /
Illustrator Rothfos & Gabler (Umschlaggestaltung)
ISBN 978-3-407-81049-6 Reihe /
Verlag Beltz, Weinheim, 2009
Seitenzahl 264 Preis 16,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Roman
Zielgruppe 14-15
Inhaltsangabe In Jerusalem gewinnt Nathan, der auch der Weise genannt wird, wie bei einem Schachspiel Sultan Saladin Zug um Zug für die Idee des Friedens unter den Religionen. Aber da gibt es auch einen Gegenspieler, der das verhindern will.
Beurteilungstext Seit der Zeit der vertieften Aufklärung zum Endes des 18. Jahrhunderts ist Gotthold Ephraim Lessings “Nathan der Weise” zur Symbolfigur für den humanitären Umgang der Weltreligionen miteinander geworden. In weniger erkünstelten Ereignissen und vor allem in einer dem heutigen Leser zugänglichen Sprache dargestellt, liegt nun von Mirjam Pressler unter dem Titel “Nathan und seine Kinder” ein Roman vor, der das Thema der Koexistenz der Religionen erneut aufgreift und auf spannende Weise gestaltet.
Der Roman spielt in Jerusalem zur Zeit des dritten Kreuzzugs etwa um 1191 und 1192. Die darin auftretenden Figuren, ob Juden, Christen oder Moslems erzählen jeweils nacheinander aus ihrer Perspektive des Geschehens. Sie vermitteln dadurch dem Leser nicht nur einen tieferen Einblick in deren Gedanken- und Gefühlswelt, sondern bringen ihm auch die Atmosphäre der Landschaft mit ihrer typischen Flora und Fauna nahe. Die von Mirjam Pressler meisterlich gestalteten Charakterzeichnungen der einzelnen Personen wecken Verständnis für deren jeweilige Verhaltensweisen. Dem Leser wird bewusst, dass die Kinder des Juden Nathan nicht allein seine von fanatisierten Christen ermordeten sieben Söhne sind und Recha, die er an Kindes statt in sein Haus aufgenommen und seinem Glauben erzogen hat. Vielmehr sind es alle Menschen, egal welcher Glaubenszugehörigkeit, die in wahrer Nächstenliebe einander achten und ehren. Gespannt wie der Derwisch Al-Hafi, der davon in anschaulicher Weise erzählt, können die Leser die Disputation zwischen Nathan und Sultan Saladin verfolgen, die in der seit Lessing bekannten Parabel von den drei Ringen fordert: “Es eifre jeder seiner unbestochenen / Von Vorurteilen freien Liebe nach!” Der Roman endet jedoch nicht in Harmonie und Einigkeit wie in der klassischen Literaturperiode. Vielmehr steigert die Autorin die Spannung des Geschehens und treibt es auf den Höhepunkt zu, indem sie Lessings Personenkreis nicht nur durch ein Findelkind, sondern auch durch die Figur des Abu Hassan erweitert, um , wie sie im Nachwort schreibt, “die auch damals schon verbreitete fanatische Haltung zu zeigen.” Doch Nathan hat einen Traum. Es ist der Traum vom Sieg der Vernunft über den religiösen Fanatismus, von dem Mirjam Pressler auf faszinierende Art erzählt. Zeittafel, Zitatennachweis und Glossar finden sich im Anhang des Buches und sind hilfreich für die Leser des aufschlussreichen und interessanten Romans mit immer noch aktuellem Thema.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 Wie, Hessen

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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