GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Kynast, Helene
Titel Nah bei dir
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-522-18094-8 Reihe
Verlag Thienemann, Stuttgart, 2008
Seitenzahl 174 Preis 9,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Kriminalerzählung
Zielgruppe 14-15
16-17
Inhaltsangabe Jonas hat Kim geholfen, von zuhause abzuhauen. Die Polizei geht davon aus, dass sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Wider besseres Wissen schweigt Jonas. Als er dann einige Wochen später nach Dänemark in den Urlaub fährt, erreichen ihn über E-Mail und sein Handy Drohungen mit Details, die eigentlich nur Kim wissen kann. Jonas gerät zunehmend in Panik.
Beurteilungstext Jonas hat sich mit Kim angefreundet, er ist seit langem in sie verliebt und hat es endlich geschafft, dass sie ihn registriert. Doch Kim benimmt sich merkwürdig. Sie möchte nicht, dass andere von ihrer Freundschaft erfahren. Außer gelegentlichen Küssen geschieht nicht viel. Dann erzählt ihm Kim, dass sie von zuhause abhauen will, da ihr Vater sie missbraucht. Jonas hilft ihr, den Tresor ihres Vaters zu knacken und das Haus zu verwüsten. Kim nimmt die Fähre nach Dänemark. Dort besitzt die Familie von Jonas einen verfallenen Leuchtturm auf einer kleinen Insel. Sie meldet sich kurz bei Jonas und ist dann verschwunden. Wochenlang sucht die Polizei nach ihr, befragt Schüler, auch Jonas, der aber nichts verrät. Als die Sommerferien beginnen und Jonas sich auf den Weg zur Insel macht, wird er auf seinem Handy und per E-Mail bedroht. Der Absender kennt Details, die eigentlich nur Kim kennen kann. Jonas geht nicht zur Polizei, denn er hat ja den Tresor geknackt und die Ermittlungen durch falsche Aussagen behindert. Aber die Drohungen werden immer massiver. Da er alleine auf der Insel immer mehr durchdreht, lädt er sich seinen Schulfreund Heiner ein. Doch wie sich herausstellt, ist Heiner kein guter Freund. Die Handlung setzt mit dem Beginn der Sommerferien und der ersten anonymen Mail ein. Mit dem Fortschreiten der Geschichte wird dem Leser durch Rückblicke anhand von Erinnerungen von Jonas der Verlauf bis zur Gegenwart geschildert. Durch Jonas als Ich-Erzähler erhält der Leser einen Einblick in sein Seelenleben und damit in die vorangegangene Handlung, denn das schlechte Gewissen und die Alpträume quälen ihn sehr. Die ganze Geschichte ist nicht ganz glaubwürdig, ebenso die Darstellung der weiteren Personen. Heiner als Täter, der starke psychische Probleme hat, wird nicht ausreichend ausgearbeitet. Seine Tat und die Grundlagen dafür erfährt der Leser - wie auch Jonas - erst ganz am Ende. Heiner erscheint dem Leser durch die Beschreibungen und Gedanken von Jonas als ein etwas merkwürdiger Junge, doch der Verdacht, dass etwas mit ihm nicht stimmt, hätte Jonas früher kommen müssen. Auch die Person der verschwundenen Kim bleibt schwammig. Die Beziehung zwischen Kim und Jonas und das Verhalten von Kim wirkt konstruiert. Es bleibt offen, warum sich Kim so verhält: wird sie tatsächlich missbraucht, hat sie ihr Verschwinden schon geplant, bevor sie sich mit Jonas angefreundet hat und ihn gezielt ausgesucht, hat sie seine Verliebtheit gnadenlos ausgenutzt oder gab es da tatsächlich irgendwelche Gefühle auf ihrer Seite. Da die Geschichte au der begrenzten Perspektive der Ich-Erzählers Jonas geschildert wird, können diese Fragen nicht beantwortet werden, doch für den Leser dieses Krimis bleibt ein unbefriedigtes Gefühl zurück. Auch mit Jonas kann sich der Leser nicht identifizieren, man fragt man sich, warum Jonas das alles mit sich machen lässt, denn auch grenzenlose Verliebtheit kann die Handlungsweise für den Leser nicht nachvollziehbar machen. Die Sprache dagegen ist glaubhaft, der jugendliche Sprachduktus ist gut getroffen und erleichtert das sich Hineinversetzen in den Protagonisten. Wer bereit ist, Abstriche bei der Darstellung der handelnden Personen und zum Teil auch bei der etwas unzureichenden Erklärung der Motivs und des Tathergangs zu machen, für den wird spannendes Lesefutter geboten.
Bewertung

 eingeschränkt empf.

Rezensent

 BW-UKL, Baden-Württemberg

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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