GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Rahlens, Holly-Jane
Titel Mauerblümchen
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-499-21498-1 Reihe
Verlag Rowohlt, Reinbek, 2009
Seitenzahl 160 Preis 12,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Erzählung
Zielgruppe 10-11
12-13
14-15
16-17
ab 18
Inhaltsangabe Eine tolle Geschichte, sehr lebendig erzählt, sehr witzig, kurzweilig - 12 Stationen von Berlin-Charlottenburg (West) nach Berlin-Prenzlauer Berg (Ost) und genau die 14 Tage nach Öffnung der Mauer 1989, dass sie überhaupt stattfinden konnte. Eine Liebesgeschichte und ganz nebenbei und unmerklich eindringlich das Festhalten einer Zeit.
Beurteilungstext Na, wie fühlt man sich, wenn man so groß ist?" wird Molly gefragt. Und alles, was sie dazu sagen kann, ist: "Klein. Sehr, sehr klein." Molly ist US-Amerikanerin mit deutschen Wurzeln. Ihre Mutter starb vor 5 Jahren, ihr Vater hat einen Lehrauftrag in Deutschland, also lebt sie vorläufig in Berlin. Heute, an ihrem letzten Tag, will sie das Geburtshaus ihrer Mutter besuchen. Molly ist ein Leuchtturm, nicht dick, aber 1,86 m, "gigantische Füße, Riesenhände, üppige Brüste". Mehrfach vergleicht sie sich mit der 20-m-Frau, eine Filmfigur aus dem Jahr 1958 und einem Remake von 1993. Aber von der Filmneuauflage kann Molly noch nicht wissen, denn wir befinden uns im Jahr 1989, zwei Wochen nach dem Fall der Mauer und damit des "Eisernen Vorhangs, der die Welt in Ost und West aufteilte.
Noch existieren die beiden deutschen Staaten, noch gibt es die Grenzsoldaten, noch ist Bahnhof Friedrichstraße d e r Übergang für Westberliner, Wessis, Diplomaten - und neuerdings auch für Ossis. Molly ist allein unterwegs. Im Gegensatz zu Carlotta gehört Molly "einfach nicht dazu". Und mit Gefühlen hat sich Molly "schon immer schwergetan". Und jetzt muss sie mit drei Emotionen zugleich fertig werden: "Enttäuschung, Erleichterung, Wut".

Rahlens schreibt herrlich, lässt uns teilhaben an der Erlebniswelt der Icherzählerin. Das ist sehr lebendig, wenn Molly plötzlich ihren Gedankengang unterbricht oder zu Michael Maier, gen. Mick (wie Jagger), und Carlotta hinüberschielt, Hunger hat, nicht genau hören kann was die beiden hinter ihr sagen, einzelne Leute in der Bahn beschreibt. Obwohl wir nur etwas mehr als 10 Stationen mit ihr mitfahren, liegt uns Mollys bisheriges Leben als offenes Buch vor, erfahren wir mehr über die Zeit vor der Wende und die, die gerade eben stattfindende (1989), als wir aus Geschichtsbüchern wohl jemals lernen werden. Die lange Seite der Sonnenallee (eine Anspielung auf den späteren Film: Die kurze Seite der Sonnenallee (1999)) tritt als große Enttäuschung der Ostberliner Erstbesucher auf, die Kellner in Grenznähe sind selbstverständlich (noch) Leute der Stasi und man wartet, bis man einen Platz im Restaurant zugewiesen erhält. Legosteine sind etwas völlig anderes als es "Pebe, der DDR-Lego, war, die Ketwurst ist kein hot dog und den Geruch nach Kohl wird man so leicht nicht los.

Die Idee, eine Antiheldin in den Mittelpunkt zu stellen, ist nicht neu, auch nicht, die Zeit zu raffen und gleichzeitig zu drängen. Sie helfen aber für das Tempo des Buches und auch für den Transport des Humors. Rahlens schafft es, so etwas Langweiliges wie Geschichte zu integrieren, ohne dass es auffällt, auch, indem sie den beiden Verliebten (ja, das darf man wohl verraten) eine umgekehrte Richtung gibt: Sie will, wollte, eigentlich, wieder zurück in die USA, er will in die freie Zukunft, die er vorher in der DDR nicht kannte. Dabei verläuft die Geschichte, wie es der Verlauf der U- und S-Bahn vermuten lässt, nicht etwa geradlinig, hat selbst kurz vor Schluss noch retardierende Momente.

Ein Buch für alle, nicht nur für Mädchen, die einigermaßen flüssig lesen können. Ein Buch aber auch für Erwachsene und für die Schulbibliothek. Dort kann es getrost im Register "Geschichte" stehen.


Holly-Jane Rahlens kam nach ihrem Studium (Literaturwissenschaft und Theater Arts in New Yok) nach Berlin. Sie schreibt Funkerzählungen, Hörspiele und arbeitet als Journalistin und Fernsehautorin. Für "Prinz William, Maximilian Minski und ich" erhielt sie 2003 den Deutschen Jugendliteraturpreis.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 uhb, Niedersachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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