GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Schneider, Karla
Titel Marcolini oder Wie man Günstling wird
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-423-62410-7 Reihe
Verlag dtv, München, 2009
Seitenzahl 416 Preis 8,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Historische Erzählung
Zielgruppe 12-13
14-15
16-17
ab 18
Inhaltsangabe 1763 in Dresden: Der 15jährige Marcolini aus Fano in Italien wird am Hof des Kurfürsten von Sachsen in Dresden zum Pagen ausgebildet. Da er sehr zurückhaltend wirkt, wird er von der Kurprinzessin zum Kammerpagen des jungen Kurprinzen, des künftigen Regenten, ausgewählt. Er soll ihr Bericht erstatten über die Vorlieben ihres verschwiegenen Sohnes, den sie nicht als Nachfolger seines Vaters auf dem Thron sehen möchte.
Beurteilungstext Karla Schneider ist für ihre exzellent recherchierten historischen Romane bekannt. Sie versteht es, das Leben der gewählten Zeit in Einzelheiten lebendig werden zu lassen. Die historische Erzählung “Marcolini oder Wie man Günstling wird” ist 2007 bei Hanser als Hardcover erschienen und schon vielfach beurteilt worden. Jetzt liegt das Buch als Taschenbuchausgabe bei dtv- Reihe Hanser - vor.
Wer Interesse hat, sich ausführlich mit den Lebensgewohnheiten am Hof zu beschäftigen, findet in der Erzählung viele Einzelheiten. Das Leben der Reichen und Mächtigen wird genauso geschildert wie die Mühsal des Alltags bei den arbeitenden, oft armen Menschen. Marcolini als Page bildet ein Zwischenglied, hat Zugang zu den Herrschaften und kann die Freundschaft des Kurprinzen erreichen, lebt als Silberpage in einfachsten Verhältnissen, kann aber als Kammerpage einige Verbesserungen seiner Lebenssituation erreichen. Diese Welt ist heutigen Jugendlichen sehr fremd: Obwohl die Pagen aus adligen Familien stammen, haben sie kaum Rechte, schlafen im Saal mit vielen anderen zusammen, bekommen nicht regelmäßig zu essen. Als Kammerpage darf Marcolini immerhin ein Gehalt erwarten, wenn es auch erst nach Ablauf eines Jahres ausgezahlt wird.
Die Übersicht über die Handlung zu behalten ist nicht leicht, weil viele Personen einbezogen sind. Das Leben mit seinen Intrigen am Hofe scheint fast etwas langweilig dahinzuplätschern. Erst durch die Freundschaft Marcolinis mit dem Kurprinzen wird die Handlung intensiver und gefühlsbetonter. Marcolini hält sich aus allem heraus, weil er Karriere machen will. Der etwas schwerfällige Kurprinz mit einem guten Herzen gewinnt seine Sympathie und nun zeigt der junge Italiener Einfühlungsvermögen. Gefühle werden eher am Rande und etwas unterkühlt in die Handlung eingeflochten, vielleicht angepasst an die Zeit. Die Erzählung hat eher beschreibenden Charakter.
Da es ein gut recherchierter historischer Roman ist, ist es zu begrüßen, diesen jetzt als Taschenbuch vorliegen zu haben.
Bewertung

 empfehlenswert

Rezensent

 Schr, Niedersachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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