GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Schneider, Karla
Titel Marcolini oder Wie man Günstling wird
Übersetzer / Originalsprache / /
Illustrator Glazer-Naudé, Ludwig
ISBN 978-3-423-62410-7 Reihe Reihe Hanser
Verlag dtv, München, 2009
Seitenzahl 416 Preis 8,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Historische Erzählung
Zielgruppe 14-15
Inhaltsangabe Als Kammerpage gewinnt der 15-jährige Camillo Marcolini die Sympathie des fast gleichaltrigen Prinzen von Sachsen, dessen Mutter als Kurprinzessin die polnische Königswürde anstrebt.
Beurteilungstext Der zweiteilige Titel “Marcolini oder Wie man Günstling wird” sowie das Titelbild - zwei junge Männer in höfischer Kleidung vor der Dresdner Frauenkirche - lassen Romanhandlung und - zeit erahnen. Zudem zieht der beobachtende und etwas lauernde Blick der stehenden Figur auf dem Titelbild die Neugier des Lesers auf sich. Dem Roman vorangestellt sind Worte der “Pariser Erkenntnisse” von Thomas Mann, die darauf hindeuten, dass es zwar nicht um Weltbewegendes aber - so könnte man es interpretieren - um etwas geht, von dem es “immerhin irgendwie ein bisschen schade darum ist...”, wenn man davon nichts weiß. Im Fall des vorliegenden Romans ist es die Günstlingspolitik am sächsischen Kurfürstenhof.
Im Mittelpunkt der vor historischer Kulisse kurz nach dem Siebenjährigen Krieg spielenden Handlung steht der aus Italien stammende “kleine Marcolini”, der als “Silberpage” davon träumt, es sehr bald zur “Exzellenz Marcolini” zu bringen. Mit der Darstellung des ehrgeizigen Fünfzehnjährigen entwickelt die Autorin das überzeugende Psychogramm eines jungen Mannes, der Schwächen und Neigungen seines Gegenübers erkennt und darauf eingeht oder sie für seine Zecke nutzt. Dabei ist er dem Leser nicht unsympathisch, lächelt zwar stets “unverbindlich”, aber er verhilft dem etwas schwerfälligen Erstgeborenen der Kurprinzessin, den sie von der Thronfolge ausschließen will, zunächst zu größerem Selbstvertrauen und später wohl auch zu seinem Recht. Doch das lässt der Roman, der auf Fortsetzung angelegt zu sein scheint, offen. Neben der spannenden Handlung, die jedoch ab und zu die Geduld des Lesers auf die Probe stellt, bietet der Roman ein anschauliches Bild der sächsischen Residenzstadt, die vor allem “italienische Künstler: Baumeister, Maler, Sänger und Sängerinnen” anlockt und Dresden zu dem bekannten “Elb-Florenz” werden lässt. Leser besuchen mit dem Protagonisten das Grüne Gewölbe, das Taschenberpalais, Pillnitz, den früheren Besitz der Gräfin Cosel und andere Dresdner Schauplätze. Die sprachliche Gestaltung ist abwechslungsreich: Da kann “der kleine Marcolini “ das Deutsche nur galant “radebrechen”, Redewendungen aus dem Französischen werden lautmalend wiedergegeben und Jiddisches ist unschwer an der Satzstellung zu erkennen.Verwirrend wirken ein wenig die vielen Namen, vor allem die der polnischen Adligen, die der Protagonist wegen der “Konsonantenhäufung” zusätzlich mit “Spitznamen” belegt. Die enorme Detailfülle des Romans in der Beschreibung von Land und Leuten lässt ihn jedoch nicht nur zu einem unterhaltsamen, sondern auch zu einer informativen Lektüre werden, die dazu anregen kann, sich intensiver mit dem historischen Geschehen - dem polnischen Wahlkönigtum z.B. - zu beschäftigen.
Bewertung

 empfehlenswert

Rezensent

 Wie, Hessen

  in der AJuM Datenbank Ja
  Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
AJuM der GEW c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund