GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Huppertz, Nikola
Titel Karla, Sengül und das Fenster zur Welt
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator Kawamura, Yayo
ISBN 978-3-522-30183-1 Reihe
Verlag Thienemann, Stuttgart, 2009
Seitenzahl 124 Preis 8,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Klassenlesestoff
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Erzählung
Zielgruppe 10-11
Inhaltsangabe Karla ist mit ihrer Mutter in eine Hochhaussiedlung umgezogen und mit ihrer neuen Lebenssituation unzufrieden: ihre Mutter ist oft traurig und hat kaum Zeit, ihr Vater lebt mit einer neuen Frau zusammen, ihr Zimmer ist kleiner und sie vermisst ihre beste Freundin. In der letzten Ferienwoche lernt sie die gleichaltrige Sengül kennen, die im gleichen Haus wohnt. Obwohl die beginnende Freundschaft der beiden durch ihre unterschiedlichen Lebensweisen erschwert wird, erkennen sie Gemeinsamkeiten.
Beurteilungstext Karlas letzte Ferienwoche bringt viele Veränderungen mit sich. Die Trennung der Eltern und die neue Freundin des Vaters belasten Karla schon schwer genug. Nun wohnt sie in einer neuen Wohnung in einem Hochhaus, fern von ihrer besten Freundin und inmitten einer "Steinwüste" mit "einer ollen Hundekackwiese dahinter und einem ollen Spielplatz für Babys". Zum Glück lernt sie Sengül kennen. Diese Freundschaft lenkt Karla nicht nur ab, sie regt sie auch noch zum Nachdenken über ihre eigene Situation an. Dabei werden den beiden Mädchen auch die Unterschiede ihres Lebens und Denkens klar. Kann man befreundet sein, wenn man so unterschiedlich ist?
Und da ist auch noch das Fenster zur Welt, das Geheimnis von Sengül und Karla. Von dort sieht die Welt mit allen Schwierigkeiten kleiner aus…

Die Autorin Nikola Huppertz erzählt aus der Ich-Perspektive die Geschichte der 10jährigen Karla. Dabei gebraucht sie eine altersgemäße Sprache, die auch Schimpfwörter mit einbezieht. Die Autorin wirft für Kinder abstrakte Glaubensfragen auf, auf die sie jedoch sprachlich sehr treffende Antworten findet. Für die verlagsempfohlene Altersgruppe (ab 8 Jahren) scheinen diese Erklärungen schwer verständlich, da ein eigenständiges Lesen und Verstehen der zum Teil sehr langen Sätze mit Nebensätzen nur von geübten Lesern dieser Altersgruppe zu erwarten ist. Der Verlag hat sich für einen großen und gut lesbaren Schrifttyp entschieden, leider bevorzugt er das Layout des Blocksatzes statt den leichter zu lesenden "Flattersatz". Damit erschwert er ungeübten Lesern den Lesespaß. Daher eignet sich dieses Buch zum Selbstlesen ab 10 Jahre bzw. zum Vorlesen ab 8 Jahre.
Trotz dieser formalen Defizite schafft es die Autorin inhaltlich schon auf den ersten Seiten, den Leser in den Bann zu ziehen. Jeder kindliche Leser kennt die Situation der Langeweile und das Drängen der Eltern sich zu beschäftigen. Die Neugier wird geweckt, als Karla schon auf der vierten Seite Sengül kennen lernt und dem Leser mitteilt, dass sie eigentlich niemanden kennen lernen will und sowieso unzufrieden ist mit ihrer Situation. Dieser enge Gedankenaustausch der Protagonistin mit dem Leser begleitet den gesamten Erzählstrang und veranlasst den Leser ebenso zum Weiterlesen wie die spannende Entwicklung der Freundschaft zwischen den beiden Mädchen. Immer wieder werden die unterschiedlichen Lebensweisen und die damit verbundenen Einstellungen der deutschen und türkischen Kultur deutlich. Trotz oder gerade wegen dieser Unterschiedlichkeiten schaffen es die beiden an ihrer Freundschaft festzuhalten, indem sie versuchen den anderen zu verstehen, Unterschiede zu tolerieren und Gemeinsamkeiten zu finden.
Durch die sich entwickelnde Freundschaft scheint das Ursprungsproblem Karlas, die Trennung der Eltern und die damit verbundenen Veränderungen in den Hintergrund zu rücken. Der Autorin gelingt es, diese Veränderungen durch kindgemäß beschriebene Alltagssituationen wieder ins Blickfeld zu holen. Dabei wird deutlich, dass Karla auch diese Schwierigkeiten nur angehen kann, wenn sie diese mit der gleichen Toleranz und Verständnis bewältigen kann, die sie durch die Freundschaft mit Sengül erfährt.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 MBD, Hessen

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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