GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Schneider, Gerd
Titel Kafkas Puppe
Übersetzer / Originalsprache / /
Illustrator Carpet, Paskal (Umschlagfoto)
ISBN 978-3-401-50148-2 Reihe /
Verlag Arena, Würzburg, 2008
Seitenzahl 220 Preis 6,50 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Erzählung
Zielgruppe 14-15
Inhaltsangabe Im Herbst 1923 hört Franz Kafka Lenas Weinen im Steglitzer Park. Ihre Puppe ist verschwunden. Von nun an bringt er ihr jeden Tag einen Brief, den die Puppe geschrieben und an ihn geschickt hat.
Beurteilungstext Die 7-jährige Lena ist traurig, denn ihre Puppe ist verschwunden. Doch da kommt ein Herr mit rundem Hut und flatterndem Mantel, um sie zu trösten. Es ist der berühmte Schriftsteller Franz Kafka. Fast täglich trifft Lena nun den “Fledermausmann”, der ihr immer einen Brief von der Puppe mitbringt. Darin schreibt sie von abenteuerlichen Reisen und fröhlichen Begebenheiten. Lena kann gar nicht genug davon hören. Sie spürt, dass ihre Puppe glücklich ist und darum ist auch sie glücklich und malt sich selbst in ihren Träumen aus, wie gut es ihrer Puppe geht und was sie alles erlebt.
In kunstfertiger Verknüpfung von Wirklichkeit und Fiktion ist dem Autor von “Kafkas Peppe” ein Roman gelungen, der den Leser von Anfang an in seinen Bann zieht. Er spielt im Jahr 1923 in Berlin kurz vor dem Tod des schwerkranken Schriftstellers, der Dankbarkeit für die Atmosphäre seines Zuisammenlebens mit der aus dem osteuropäischen Judentum stammenden hilfsbereiten und liebenswerten Dora Diamand empfindet. Kafka fühlt sich in seinen letzten Lebenstagen nicht mehr als “Luftmensch”, wie es im Jiddischen heißt und einen Menschen bezeichnet, der ohne familiäre Bindungen lebt. Darum will er endlich etwas schreiben, was die kindliche Fantasie anregen und dazu beitragen kann, dass ein kleines Mädchen seine Fantasie spielen lässt und selbst “seine Puppe aus Reise gehen lassen” kann, denn “Wie sonst sollte man die Wirklichkeit denn aushalten?”, fragt sich der Schriftsteller. Leser können an der Entwicklung der Geschichte von der Puppe teilnehmen, die zunächst ihre Neugier weckt und sie dann immer stärker in die Geschichte hineinzieht die “Und dann?.... “Und dann?”.... “Und dann?” wissen wollen, wie es weitergeht. Kafka ist entschlossen, die “Puppenbriefe” zu einem guten Ende zu bringen. Er will die Leser nicht wie in seiner Erzählung “Der Bau” - die fragmentarisch geblieben ist - “nacheinander die Stadien des Selbstvertrauens, der Verzweiflung und der Erkenntnis der Niederlage” erleben lassen. Darum ist Lenas Puppe zum Schluss Seiltänzerin geworden, deren “Tanz über dem Abgrund ohne Netz mit doppeltem Boden”, dann vielleicht auch das Mädchen Lena beflügelt haben könnte; denn sie könnte es sein, die 20 Jahre nach Kafkas Tod im Konzentrationslager Theresienstadt als Seiltänzerin auftrat und die Zuschauer für eine Weile faszinierte. Kunstvoll verwoben mit Leben und Werk des Prager Schriftstellers sowie mit zeitgeschichtlichen Stimmungen und Situationen liegt mit “Kafkas Puppe” ein beeindruckender vor, der hoffentlich viele Leser und neue Kafka-Freunde finden wird.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 Wie, Hessen

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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