GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Weeks, Sarah
Titel Jamies Glück
Übersetzer / Originalsprache Kollmann, BirgittAmerikanischen
Illustrator Corbis/zefa (Umschlagfoto)
ISBN 978-3-423-62415-2 Reihe Reihe Hanser
Verlag dtv, München, 2009
Seitenzahl 120 Preis 6,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Klassenlesestoff
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Roman
Zielgruppe 12-13
Inhaltsangabe Der 11-jährige Jamie will vergessen, was der alte Gray ihm angetan hat. Doch das ist unmöglich. Zum Glück spürt die gleichaltrige Audrey, die voll witziger Ideen steckt, dass mit Jamie etwas nicht stimmt.
Beurteilungstext Bis jetzt hat Jamie statt Glück nur Pech gehabt: seine Katze wurde überfahren, sein Dad hat sich auf und davon gemacht und weil seine Tante Sapphy nach einem Arbeitsunfall unter Gedächtnisschwund leidet, muss er mit seiner Mutter zu ihr in die Wohnwagensiedlung ziehen und in eine neue Schule gehen. Doch es kommt noch schlimmer. Aber darüber will er nicht reden. Zum Glück - und das ist wirklich “Jamies Glück” - bringt ihn seine etwas schrullig/schräge Mitschülerin Audrey Crouch dazu, sich von ihr hypnotisieren zu lassen. Dabei gibt Jamie preis, was er am liebsten vergessen will.
Überzeugend und eindringlich gestaltet, ohne jemals in Larmoyanz abzusinken, verknüpft der aus dem Amerikanischen übersetzte Roman die seelische Verstörung des elfjährigen Ich-Erzählers nach sexueller Belästigung durch den Hauswart der Siedlung mit dem Gedächtnisschwund, der sich bei seiner Tante nach einem “Blöden Unfall” eingestellt hat. Während Jamie liebevoll um Heilungschancen seiner Tante bemüht ist, in Büchern seitenweise Tipps zur Wiedergewinnung des Gedächtnisses findet und sie auch ausprobiert, entdeckt er nirgends ein Wort darüber, wie man das Vergessen lernen kann. Und Jamie will die Schmach vergessen, die der alte Gray ihm zugefügt hat. Leser spüren die Ängste des Jungen, seine Verunsicherung im Verhalten anderen gegenüber, seine innere Zerrissenheit, die dazu beiträgt, dass er im Unterricht unkonzentriert ist,von seiner Lehrerin immer wieder gedemütigt und von seinen Mitschülern tyrannisiert wird. Die Autorin von “Jamies Glück” schildert das seelische Dilemma eines traumatisierten Kindes mit ebenso großem Einfühlungsvermögen wie den Gedächtnisschwund der Tante und zeichnet die weiteren Figuren der Handlung klar und und konturiert, wobei durchaus auch Situationskomik eine Rolle spielt. In Audrey Crouch z.B. begegnet den Lesern ein Mädchen, das in Pippi-Langstrumpf-Manier sehr genau beobachtet und aus seinen Beobachtungen entsprechende, stets originelle Schlüsse zieht. Zudem kommt ein Schriftsteller in die Schule, der Jamie ermutigt, zu sich selbst zu finden. Jamies Feststellung: “Es ist schwer für andere, einen zu mögen, wenn man sich selbst nicht ausstehen kann”, wirkt wie der Schlüsselsatz des Romans, in dem es um Erinnern und Vergessen gleichermaßen geht. Als Klassenlektüre in der 6./7. Jahrgangsstufe ist “Jamies Glück” unbedingt zu empfehlen. Es ist ein Mutmach-Buch, das zeigt, dass nicht alles nur schlimmer werden muss, dass man selbst auch etwas tun kann, damit es wieder besser wird.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 Wie, Hessen

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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