GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Herrenberger, Marcus
Titel Jahrhundert einer Ratte
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator Herrrenberger, Marcus
ISBN 978-3-86566-100-5 Reihe
Verlag Minedition, Kiel, 2008
Seitenzahl 105 Preis 29,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Historische Erzählung im Bild
Zielgruppe 14-15
16-17
ab 18
12-13
Inhaltsangabe Wenn man einmal davon absieht, dass eine Ratte nur ca. 3 Jahre alt wird, dann ist unsere, die am Ende Epikur heißen wird, ziemlich alt geworden, denn sie ist in der Bildergeschichte seit Lenin und der Russischen Oktoberrevolution in die Geschichte eingebunden bis in das fast Heute. Viel Politik, viel Kunst, viel Allgemeinwissen wird per Bilder plus Seitenuntertitel transportiert - aber auch gefordert.
Beurteilungstext Das Thema ist für ein Bilderbuch zuerst einmal ungeeignet. Der Trick, ein Jahrhundert Geschichte darzustellen und in den Mittelpunkt aller Aktionen eine Ratte zu stellen, ist dagegen gelungen, wenn man einmal annimmt, dass dies kleine possierliche Tier sich wirklich einschmeicheln kann in die Welt der Gestalter.
Wir beginnen mit dem Niedergang Russlands und der Aurora. Lenin wird "gewinnen, die UdSSR wird entstehen - und unsere kleine Ratte ist auf dem "Foto, von dem wir wissen, dass es retuschiert wurde, um unliebsame "Genossen" aus der Geschichte zu tilgen.

Marcus Herrenberger lebt diese Situationen aus. Er zitiert geschichtsträchtige Zeiten und packt seine kleine Ratte mitten hinein. Er malt, zeichnet in Art eines Comics. Die Bilder weisen oft ein unterschiedliches Maß auf, nur der äußere Rahmen bleibt gleich. Da können auch Bilder in die Bilder hereinragen, um Aktion zu demonstrieren oder zeitliche Bewegung vorzutäuschen. Inhaltlich geht er nicht nur chronologisch vor und zitiert die jeweiligen Ereignisse, er zitiert aber auch mit seinen Bildern.

Jede Seite spricht für sich, wenn man als "Leser" die Zeit einordnen kann. Der kurze Text am unteren Ende spricht zumeist die Bilder an, verweist aber immer wieder auch auf das, was wir aus anderen Quellen kennen sollten. Das Buch ist also nicht geeignet für Menschen, die sich mit geschichtlichen Abläufen so gar nicht auskennen.
Wer aber hier oder dort "eine Ahnung" hat, der wird sich mal um mal freuen, dass er Zitate gefunden hat. Das beginnt mit dem berühmten Lenin-Foto, geht in das frühe Paris der Kubisten, zu allererst natürlich Picasso, der - so erzählt es die Bildergeschichte - neben den bekannten Bildern auch eine ganze Serie mit unserer Ratte malte, die an Guernica erinnern oder an diverse Frauenbildnisse (die "geheimnisvolle Graue Periode" ist wieder entdeckt!). Über das Theater und ein Aussiedlerschiff gelangen wir in die USA, und dort wartet schon Edward Hopper in ganz vielen Zitaten auf uns. Spätestens ab "Nighthawks" erkennen wir, dass wir - auch - eine Nebengeschichte verfolgen. Das macht dem erwachsenen Leser Freude.

Wenn wir als Kinder (oder (kunst-) geschichtlich gar nicht bewanderter Betrachter) die Andeutungen in den Bildern nicht erkennen, so haben wir einen dennoch einen Gewinn. Wohl niemals zuvor ist ein Jahrhundert der Umbrüche, der Weltkriege, der Teilung der Welt in Ost und West und deren Wiedervereinigung in so wenigen Bildern dargestellt worden.
Wie wird es weitergehen? Müssen wir uns jetzt nach Süden wenden, oder sollen wir immer noch nach Osten schauen? Herrenberger führt uns zum Ende in den Fernen Osten, in die "Tigerstaaten, in der sich westliche mit östlicher Sichtweise vermischen: Christo und Manga, MacDonalds und Essen mit Stäbchen, Die Zeit und China Daily, Kyoto und Merry Christmas, das pulsierende Hongkong und die Ruhe eines buddhistischen Gartens.

Das "Bilderbuch" ist natürlich nicht für Bilderbuchkinder bestimmt, ist andererseits aber ein guter Hinweis darauf, dass Bilderbücher überhaupt nicht nur für Kinder bestimmt sein müssen, die im Vorschulalter sind. Kinder- und Jugendbücher sind über das Alter bestimmt, Sachbücher zumeist nicht.

Und Bilderbücher - wie dieses - erst recht nicht.



P.S. Ein grammatikalischer Fehler, der passieren kann, auf Seite 43: "Die Ratte setzt sich vor ihm hin." muss heißen: "Die Ratte setzt sich vor ihn hin."
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 uhb, Niedersachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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