GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor BEYERLEIN, GABRIELE
Titel In Berlin vielleicht
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-522-17689-9 Reihe
Verlag Thienemann, Stuttgart, 2005
Seitenzahl 320 Preis 16,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Roman
Zielgruppe 14-15
Inhaltsangabe Eine Frauengeschichte im Berlin der Kaiserzeit.
Beurteilungstext Als Lene konfirmiert wird, steht für sie fest, dass sie ihr Dorf und die Lehrerfamilie, in der sie unentgeltlich nach der Schule arbeitet, verlässt. Lene will ihr Glück in der Großstadt suchen. Als uneheliches Kind einer Magd ist sie im Kuhstall aufgewachsen. Keineswegs will sie beim Lenz-Bauern arbeiten und von seiner Tochter, mit der sie gemeinsam zur Schule geht, herumkommandiert werden. So bricht sie auf in die Hauptstadt.
Ihre erste Anstellung als Dienstmädchen hat sie bei der Familie eines Polizeihauptmannes. Hier bekommt sie hautnah zu spüren, dass sie in den Augen der reichen Herrschaften ein “Mensch zweiter Klasse” ist. Durch einen üblen Vorfall mit den Jungen der Familie wird Lenes Dienstverhältnis ungerechterweise gekündigt.
Bei einem Oberst des kaiserlichen Regiments erhält sie eine Anstellung als Haushälterin in Eigenregie. In dieser Zeit lernt sie Peter kennen, der ihr eine sichere Existenz vorgaukelt. Lene glaubt, den Mann fürs Leben gefunden zu haben. Als sich eine Schwangerschaft einstellt, trennt sich Peter von Lene. Unglücklich und verzweifelt will sie ihrem Leben ein Ende bereiten. Ein Schutzmann hält sie davon ab, und so bringt sie Monate später in einer Gebäranstalt für ledige Mütter ihre Tochter zur Welt. Mit gesundem Gottvertrauen findet Lene eine Anstellung in einer Bäckerei. Obwohl das Arbeitspensum kaum zu bewältigen ist, kann Lene ihr Glück kaum fassen. Trotz eigenem Baby wird sie eingestellt! Sie blickt optimistisch in die Zukunft und glaubt, ihr Leben in den Griff zu bekommen.
“In Berlin vielleicht” gehört zu der Trilogie von Beyerleins historischen Frauenromanen aus der Zeit des Deutschen Kaiserreichs. In eindrucksvoller Weise beschäftigt sie sich in diesen Romanen mit der Situation der Frauen und Mädchen zur damaligen Zeit. An der Person des Dienstmädchens Lene zeigt die Autorin schonungslos, wie Frauen damals ihre Kraft und Gesundheit zu Markte tragen mussten. Sie wurden von ihren Herrschaften wie Lakaien behandelt. Die Trostlosigkeit der Hinterhöfe wird plastisch geschildert. Obwohl Lene eine gute Schülerin war, hatte sie keine Chance eines anderen Berufsweges. Im Kuhstall aufgewachsen, konnte man nichts anderes als Magd oder Dienstmädchen werden. Es fehlte der familiäre Hintergrund.
Der Leser erhält realistische Einblicke in die Gesellschaft der damaligen Zeit. Politische Ereignisse werden nur am Rand gestreift.
Für junge Leser ein beeindruckender, lebensnaher Roman, der mit dem Heinrich-Wolgast-Preis ausgezeichnet wurde.
Bewertung

 empfehlenswert

Rezensent

 Ele, Sachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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