GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Anand, Paro
Titel Heldenspiel
Übersetzer / Originalsprache Ohnemus, Günterindisches Englisch
Illustrator
ISBN 978-3-596-85354-0 Reihe
Verlag Fischer Schatzinsel, Frankfurt, 2009
Seitenzahl 224 Preis 12,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
für Arbeitsbücherei
Medienart Buch: Hardcover Gattung  politischer Roman
Zielgruppe 14-15
16-17
ab 18
Inhaltsangabe Am Beispiel von Aftab geht die Autorin der Frage nach, warum der Terrorismus gerade junge Leute anzieht, sodass sie sogar bereit sind, ihre Leben dafür zu geben. Wir befinden uns in Kaschmir, im Grenzkonflikt zwischen Indien und Pakistan. Gut, dass das Nachwort von Jochen Buchsteiner den geschichtlichen Hintergrund am Schluss darstellt - es hätte allerdings besser im Vorwort stehen sollen.
Beurteilungstext Aftab ist noch Kind, aber er möchte sein wie Akram, der Anführer der "Kashmir Action Group" ist. Zu seinen Treffen stiehlt er sich von zu Hause fort, bereit den Plänen von Terror- und Selbstmordanschlägen zu folgen. Die jungen Muslime sind Pakistaner, dem Bruderstaat Indiens. Der Grenzkonflikt ist Folge der Trennung nach Ende der Kolonialherrschaft der Engländer über Indien, der gegenseitige Hass der Muslime gegen die Hinduisten hat nicht zuletzt hier seine Ursachen.
Während Aftab mit Herzblut dabei ist und sich immer weiter in den Strudel hineinziehen lässt, nutz Akram kalt aus, dass der Junge ihn bewundert. Dass die Aktionen der Kinder auch gegen die eigenen Eltern geheim bleiben müssen, zeigt, dass ihnen durchaus das Unrecht bewusst ist.
Der indischen Autorin gelingt es, ein glaubwürdiges Umfeld zu schildern, in dem die Handlungen schlüssig erscheinen. Verblendung, blindes Vertrauen und Hass, kalte Ausnutzung von Bewunderung für eigene Ziele - die Beziehungen werden den Lesern sehr deutlich. Nicht der Junge selbst ist "schuldig, sondern die, die ihn ausnutzen. Die Hinzufügung einer Liebesbeziehung von Aftabs Schwester zu Akram ist unnötig, verstärkt allerdings noch den Sog des Jungen in den Terrorismus, auch gegen die Versuche der Eltern, Aftab von dieser Gruppe fernzuhalten.
Der Spannungsbogen bleibt bis zum Schluss: Wird der Junge die Reißleine ziehen, wie es ihm Akram beigebracht hat? Der indische Originaltitel "No guns at my son's funeral" verrät da mehr.

Jugendliche Lesern ab dreizehn Jahren werden keine Mühe haben, sich in den Jungen Aftab hineinzudenken, auch wenn dieser in einer völlig anderen Welt aufwächst. Das subtile Hineingezogenwerden in die Rolle, die - von der anderen Seite aus betrachtet - doch die eines hasserfüllten Terroristen ist, wird nachvollziehbar dargestellt. Wer weiß, wie wir reagieren würden, wären wir an Aftabs Stelle.
Bewertung

 empfehlenswert

Rezensent

 uhb, Niedersachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
  Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
AJuM der GEW c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund