GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Smallman, Steve
Titel Gustav Grummelbär
Übersetzer / Originalsprache Fröse-Schreer, IrmtrautEnglisch
Illustrator Biscoe, Cee
ISBN 978-3-7655-6860-2 Reihe
Verlag Brunnen, Gießen, 2009
Seitenzahl 24 Preis 11,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Bilderbuch
Zielgruppe 4-5
6-7
Inhaltsangabe Gustav Grummelbär, der alte, starke, große Bär, lebt allein in seiner dunklen Höhle und grummelt selbstverständlich. Die anderen Waldtiere verstecken sich deshalb beim Auftauchen dieses Griesgrams und blicken ihm ängstlich hinterher, bis ein kleines, junges Kaninchen, das goldene Sterne rettet, ihm mit entwaffnender Offenheit und Dankbarkeit begegnet und dadurch die Grummelmauer aufbricht. So finden beide zu ihrem Seelenglück in einer neuen Freundschaft.
Beurteilungstext Groß, mit rundem Rücken, den Kopf aufgestützt in der mächtigen Pranke und mit verdrießlichem Blick sitzt Gustav vor dem Ofen in seiner dunklen Höhle und stochert herum. Unaufgeräumt ist sie, diese Höhle: Die mächtigen Bärentatzen haben Fußabdrücke hinterlassen, Asche liegt vor dem Ofen, ein Apfelbutzen liegt auf dem Bord, die Tasse hat auf dem Holzbord Ränder hinterlassen und eine Spinne hängt von der Decke. Die erste Doppelseite wie auch zuvor das Cover und die innere Titelseite zeigen den Grummelbär in all seiner äußeren und inneren Unaufgeräumtheit, die nach außen vor allem eine Botschaft signalisiert: Kommt mir nicht zu nahe! Das junge Kaninchen, das goldene Sterne, die herunterfallen, retten möchte und sich dadurch zweimal in eine Notlage bringt, scheint diese Botschaft des Grummelbären nicht wahrnehmen zu können. Es bittet ihn um Hilfe, bedankt sich begeistert, schenkt ihm seinen Stern und gibt ihm den zweiten zur Aufbewahrung mit. In drei Schritten bricht Gustavs Panzer auf und das Aufräumen seiner Höhle geht einher mit dem inneren Aufräumen und Sich-Öffnen.

Diese Geschichte, die zunächst in ihrem Plot nicht sehr originell und recht klischeehaft wirken mag, gewinnt ihre große Liebenswürdigkeit durch einige inhaltliche Besonderheiten und die Bildgestaltung.
Da ist zunächst einmal Gustav selbst. Glücklich scheint er nicht zu sein in seiner Griesgrämigkeit: Einfache, aber treffende Formulierungen geben auch den kleinen Lesern Hinweise: "'Hmmm!', grummelt Gustav dann und tut so, als mache es ihm gar nichts aus." Dieses Gefühl kennt wohl jedes Klein- und Kindergartenkind! Es braucht dann den Anstoß von außen zur Veränderung, die die Kraft aus dem eigenen Inneren mobilisiert, symbolisiert auch im schrittweisen Aufräumen der Höhle, um sich und die eigene Höhle mit den Augen der anderen zu betrachten. Allerdings geht das nicht ohne Rückschläge und negative Gefühle. Gerade das macht die psychologische Glaubwürdigkeit aus. Zudem muss Gustav einsehen, dass eine ausdrückliche Entschuldigung durch nichts zu ersetzen ist. Steve Sallman vermeidet dadurch einen klischeehaften, psychologisch unglaubwürdigen Handlungsverlauf.
Das Kaninchen steht für eine fast schon naive Offenheit und Unvoreingenommenheit, für das zählt, dass Gustav es zweimal rettet. Unterstrichen wird diese ganz andere Sichtweise dadurch, dass man beim ersten Auftritt des Kaninchens das Buch auf den Kopf stellen muss. Die naive Weltsicht des Kaninchens, die in allem, also auch im Grummelbär etwas Wertvolles erblickt, zeigt sich auch darin, dass es die herabfallenden goldenen Sterne unter Einsatz des eigenen Lebens rettet. Für den Grummelbär sehen sie nämlich eher wie ganz normale Herbstblätter aus. Doch den Wert, den das Kaninchen ihnen zuspricht, entfalten sie in Gustavs Höhle: Sie bewirken durch ihre Leuchtkraft, dass er den Schmutz wahrnimmt. Und auf der letzten Doppelseite umhüllen den glücklichen Gustav zahllose goldene Blätter, die den Leser die Geborgenheit nachfühlen lassen.

Dies liegt auch an den warmen, leuchtenden Farben, die für Bär, Kaninchen und Sterne verwendet werden. Die bildnerische Gestaltung im Stil von Pastellkreide- und Bleistiftzeichnungen trägt zur liebevollen Gesamtatmosphäre dieses Bilderbuches bei. Großartig sind Mimik und Körperhaltung des Grummelbären gezeichnet, in all seinen Nuancen und Verwandlungen - so wird Empathie ohne didaktischen Zeigefinger erlernt. Nett sind die zeichnerischen Details, die sich im Buch fortsetzen - zu empfehlen seien nur die Schnecke und die Spinne!

Eine warmherzige Geschichte für alle Kindergarten- und vielleicht noch Grundschulkinder, für alle, die mal griesgrämig sind, die mal einem Grummelbär in der Familie oder im Freundeskreis begegnen, die für hoffnungslos naiv gehalten werden, die ...
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 KH, Bayern

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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