GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Lenkova, claire
Titel Grenzgebiete Eine Kindheit zwischen Ost und West
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator Lenkova, claire
ISBN 978-3-8369-5247-7 Reihe
Verlag Gerstenberg, Hildesheim, 2009
Seitenzahl 48 Preis 14,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Klassenlesestoff
für Arbeitsbücherei
Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Sachcomic
Zielgruppe 10-11
12-13
Inhaltsangabe Jana ist mit ihrem kleinen Bruder Lutz zum Lieblingsplatz der beiden gegangen, dem Generalsblick an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Dort erzählt sie ihm ihre Familiengeschichte aus der DDR und wie es dazu kam, dass sie jetzt in Bayern wohnen und einfach so nach Thüringen spazieren gehen können.
Beurteilungstext “Grenzgebiete. Eine Kindheit zwischen Ost und West” nennt die Autorin und Illustratorin claire Lenkova ihre Graphic Novel mit autobiografischen Inhalten aus ihrer Kindheit in der DDR.
In der Rahmenhandlung bewegen sich zwei Kinder auf einem Spazierweg von West nach Ost, von Bayern nach Thüringen. Wie es dazu kam, dass die Familie den beschwerlichen Weg der Ausreise von Ost nach West auf sich nahm, erzählt das Mädchen dem jüngeren Bruder. Es ist eine Biografie von vielen aus der ehemaligen DDR. Als engagierte Christen war Janas Familie staatlichen Repressalien ausgesetzt: Gefängnis für den Vater, weil er den Wehrdienst bei der NVA verweigerte. Bespitzelung und falsche Freunde. Ausgrenzung von Bildung, denn ohne Mitgliedschaft bei der FDJ, ohne Jugendweihe gab es keine Zulassung zur schulischen Oberstufe. Jana erzählt aber auch von den unbeschwerten und glücklichen Tagen: vom Versteckspielen, vom gegenseitigen Helfen, von ihrem besten Freund. Der Entschluss, einen Ausreiseantrag zu stellen, fällt der Familie nicht leicht. Im Westen angekommen, erlebt Jana erneut Ausgrenzungen, diesmal von einer subtileren Art. Waren es in der DDR die inneren Überzeugungen, womit man auffiel, so sind es im Westen die Äußerlichkeiten: die “falsche” Jacke, die “falsche” Frisur, der Ost-Dialekt. In die Familiengeschichte wie beiläufig eingewoben sind die politischen Ereignisse: Teilung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg, Gründung der DDR, Mauerbau, Ausreise von DDR-Bürgern, Grenzöffnung am 10. November 1989.
Die Erzählperspektive ist die Sicht einer etwa zwölfjährigen Protagonistin. Sie beobachtet genau und erzählt relativ emotionslos, sachlich, manchmal mit lapidarem Witz in einfach strukturierten Sätzen. Im Kontrast zu den nahezu lakonischen Comic-Texten stehen die Illustrationen: Hier werden deutlich Emotionen sichtbar, detailreich in Mimik und Gestik. Die Farben korrespondieren mit der Stimmung, sie sind insgesamt zurückhaltend eingesetzt. Auffällig sind die vielen Grau-Töne. Die Zeichnungen zeigen aber auch humorvolle Aspekte.
Eine völlig andere Textebene sind die farblich abgehobenen, erklärenden Sachtexte am unteren Seitenrand. Sie bieten, passend zu den jeweils im Comic erzählten Erlebnissen, das entsprechende Faktenwissen mit den genauen Daten und lexikalischen Informationen zur deutsch-deutschen Chronik.
DDR, Mauerbau, Grenzöffnung und Wiedervereinigung sind für die heutigen Kinder und Jugendlichen Historie. Die sehr persönlich gehaltene Erzählung aus der Sicht einer Gleichaltrigen eröffnet ihnen einen Einblick in die deutsche Geschichte. Soziale und gesellschaftspolitische Aspekte sind authentisch dargestellt und lassen ein Stück deutscher Geschichte lebendig werden. Die Verknüpfung einer familiären Situation mit den historischen Gegebenheiten der politischen Entwicklung in der Nachkriegsgeschichte ist eine faszinierende Geschichtsstunde für junge Leser. Das Buch lässt sich in Projekten einsetzen oder in den Unterricht einbeziehen, es bietet bemerkenswerte Ansätze zur Diskussion, evtl. auch in Verbindung mit Zeitzeugen.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 Ilo, Hessen

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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