GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Gsella, Thomas
Titel Die Leiden des jungen Schiller
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator Hurzlmeier, Rudi
ISBN 978-3-8363-0170-1 Reihe
Verlag Sanssouci im Hanser Verlag, München , 2009
Seitenzahl 48 Preis 12,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
für Arbeitsbücherei
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Bilderzählung
Zielgruppe 14-15
16-17
ab 18
Inhaltsangabe Eine launige Hommage für Friedrich Schiller anlässlich seines 250. Geburtstages: In Form einer ausführlichen Bilderzählung wird das Leben und Schaffen des jungen Schiller auf tragik - komische Weise, voller Wort - und Bildwitz, dargestellt. Die 80 mit Versen untersetzten Einzelbilder werden dabei zur Bühne. Szene für Szene kann man Schillers Leben von der Geburt bis zur endgültigen Flucht aus Baden - Württemberg nachempfinden.
Beurteilungstext Autor und Illustrator vermitteln ihre Botschaft auf hintergründige, respektlos wirkende Art. Bereits der Titel weckt Assoziationen - an den schon in jungen Jahren so erfolgreichen Goethe mit seinem Roman “Die Leiden des jungen Werthers”. Schiller dagegen wird in der einleitenden Illustration im Vorsatz des Buches als Statue auf einem Sockel verhohnepipelt: Vögel tummeln sich auf seinem Kopf und den Schultern, ein Hund pinkelt das Kunstwerk im Vorübergehen an, während seine Besitzerin achtlos daran vorüber geht. Danach wird der Leser mittels Text und Bild in eine Zuschauerhaltung wie in einem Theater versetzt. Hinter einem roten Bühnenvorhang lugt Schillers Gesicht mit der langen Nase hervor, und im Prolog, der das Schauspiel ankündigt, heißt es dazu:
“Seit zweihundert und fünfzig Jahren/ ist Schiller auf der Welt und längst nicht tot./ Zeitlebens sah er bei Despoten rot.../Denn schon der junge musste leiden/an dummer Macht wie unter einem Fluch./Warum er schließlich siegte, zeigt dies Buch.../
In Form eines gereimten Erzählgedichts, dessen Verse zwei -bis vierzeilig die jeweilige Illustration untersetzen, wird Schillers Jugend auf anschauliche Weise lebendig. Angereichert mit vielen Anekdoten aus dem Leben des Dichters wird chronologisch informiert über das Elternhaus, den Umzug nach Ludwigsburg, den Besuch der dortigen Lateinschule. Der Aufenthalt an der Militärakademie des Herzogs Karl Eugen wird besonders detail- und episodenreich geschildert. Die stringente Aufzählung von Persönlichkeiten, welche Schillers Entwicklung zum Dichters befördert haben, könnten den einen oder anderen Leser (trotz eines Glossars) überfordern. Sie helfen aber Bildungslücken zu schließen oder Schulkenntnisse aufzufrischen, z. B.:

“Denn wahrlich ist es fabelhaft,/ was sein Professor Abel schafft./ Der lehrt die Schüler Sturm und Drang/ und Aufklärung von höchstem Rang: Rousseau und Herder, Plutarch, Hume/ zum eignen wie des Herzogs Ruhm...”
Denn müht sich Carl: Eugen bleibt Schwein./ Den Dichter Schubart sperrt er ein/ für ein Jahrzehnt tief im Verließ,/ weil der ihn Skalvenhalter hieß...
Shakespeare liest er ohne Ende/rauf und runter wie besessen./ Freunde leihen ihm die Bände,/Leihgebühr ein Mittagessen...
An den Räubern schreibt er schon,/ dem Drama um den guten Sohn,/ der an der schlechten Welt zerbricht...”

Mit Schillers ungeliebter Tätigkeit als Regimentsmedikus beim “Lotterregiment Augé”, seiner unerlaubten Reise zur umjubelten Aufführung seiner “Räuber” nach Mannheim und seiner endgültige Flucht nach Bauerbach endet die Bildgeschichte - nicht ohne einen abschließenden Appell an den Leser zu richten:

Vorbei. Der junge Schiller ist entkommen.
Die Welt steht ihm nun frei. Sie wird genommen
nach Schillerart besungen u und belehrt.
Und frei nach Lessing: Er wird längst verehrt.
Wer wird nicht einen Schiller loben?
“Doch wird ihn jeder lesen? - Nein!
Er sollte weniger erhoben
und fleißiger gelesen sein.”

Text und Bild sind in diesem Buch wie miteinander verschmolzen. Die humoresken, vielfarbig kolorierten comicartigen Zeichnungen erzählen mit und weiter. Die Figuren sind als Charaktere visualisiert, trotz wechselnder Kleidung und Umgebung gut zu erkennen. Ihre Mimik und Gestik vertieft die Aussage des Textes psychologisch. Kein Bildmotiv ähnelt dem anderen. Zahlreiche Details in den Illustration konkretisieren das Leben und Schaffen des jungen Schiller, ordnen es historisch realistisch in seine Zeit ein. Das ist vor allem für Heranwachsende interessant, befördert es doch ihr Vorstellungsvermögen im Hinblick auf die Vergangenheit. Als Zusatzlesestoff kann das Buch deshalb im Literaturunterricht der Sekundarstufe gute Dienste leisten. Insofern muss man fragen, warum es auf der Einbandrückseite nur als “Bilderbuch für Erwachsene” beworben wird.

Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 Kra, Sachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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