GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Tan, Shaun
Titel Die Fundsache
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-551-51725-8 Reihe
Verlag Carlsen, Hamburg, 2009
Seitenzahl 32 Preis 16,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Bilderbuch
Zielgruppe ab 18
12-13
14-15
16-17
Inhaltsangabe Manchmal begegnen wir seltsamen Dingen in unserem Leben. Aber niemand sonst scheint sie wirklich zu sehen. Shaun entdeckt diese Fundsache am Strand und will sie nach Hause bringen. Aber wem gehört das Ding? Wo ist es zu Hause?
Beurteilungstext Das Leben ist eine Gebrauchsanweisung. Alle Dinge des Alltags sind technisch zu lösen. Behörden überwachen die fachmännische Durchführung unserer Entscheidungen. Rohre kanalisieren Kommunikation und Emotionen. Alles ist geregelt, sortiert, nichts irritiert. Das Leben läuft. Doch Shaun Tan bittet um kurzes Innehalten. "Eine Geschichte für alle, die Wichtigeres zu tun haben." Zudem "nicht besonders tiefsinnig" und ohne Moral, wie er zugibt. (Sollten Sie hierzu mehr Informationen wünschen, wenden Sie sich bitte an das Bundesamt für Information "ignorare regulatum").
Shaun also erzählt von der Fundsache. Einem roten großen Ding, ein bisschen wie eine Kaffeekanne auf Spinnenbeinen und Gottesanbeterinnenarmen. Völlig ungefährlich jedoch, allein vielmehr, traurig und verloren. Gefunden von Shaun versucht dieser es dahin zurück zu bringen, wo es her kommt. Oder doch zumindest nicht so allein ist. Freund Pete findet das Ding zwar cool, hat so was aber auch noch nie gesehen. "Manche Sachen sind ...(...) halt einfach allein." Im Schuppen kann die Fundsache nicht bleiben. Die Zeitung mit ihren Kleinanzeigen soll helfen. Und tatsächlich, hier findet Shaun die Antwort. "Keine Panik! Wir haben für alles eine Schublade." schreibt das Bundesamt für Krimskrams. Ein Stapel Formblätter und die Sache ist erledigt ("keerus unterum teppichae"). Zum Glück fehlt der Stift, statt dessen gibt es vom Putzer eine geheimnisvolle Visitenkarte, die zur Lösung führen soll.
Wir tauchen ein in eine graue, leblose Welt. Bewohner ohne Interesse für andere Dinge. Beschäftigt mit - ja, was? Rohre soweit das Auge reicht, gehetzte, trübe, traurige, lange Gesichter. Schwarz, braun, grau - gleichmäßig. Niemand mehr, der einen Blick für das Andere hat. Selbst dann nicht, wenn es groß und rot im Wohnzimmer steht und schluchzt. Die Technisierung hat den Menschen erreicht. Fehlerhafte Schaltungen werden umgehend ersetzt. Das Amt regelt das Leben. Keine Frage bleibt offen. Kein Problem ungelöst. Der Nächste, bitte. Einzig unter den Maschinen gibt es sie noch. Die Besonderen, die Individuen, die bunten.
Auch Shaun kann mit ihrer Welt, verborgen hinter einer Stahltür, nichts anfangen. Ein kurzes Winken, dann schließt sich das Tor. Shaun geht wieder Kronkorken sammeln. "Also, ich kann nicht behaupten, dass das Ding dahin gehörte, wo es dann landete. Nichts dort gehörte so richtig dahin. Trotzdem waren alle ganz froh, vielleicht war es ja egal. Ich weiß auch nicht ..." In der folgenden Zeit begegnet Shaun immer seltener diesen besonderen Dingen, diesen Fundsachen. Großerwerden. Erwachsen werden heiß, den Blick für die Wunder der Welt zu verlieren. Auch Shaun wird grau und gleich. "Bin wohl zu viel mit anderen Sachen beschäftigt."
Shaun Tan, australischer Schriftsteller und Illustrator dürfte für viele kein Unbekannter sein, gilt er doch als Meister der Graphic Novels. Sein Bilderbuch "Geschichten aus der Vorstadt des Universum" wurde in diesem Jahr mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 ar, Bremen

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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