GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Sybil Gräfin Schönfeldt & Klaus Ensikat,
Titel Die Bibel Das Alte Testament - neu erzählt
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator Ensikat, Klaus
ISBN 978-3-939944-33-1 Reihe
Verlag Tulipan, Berlin, 2009
Seitenzahl 312 Preis 39,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Bibel
Zielgruppe 12-13
14-15
16-17
ab 18
8-9
10-11
Inhaltsangabe JA. So kann und darf über auch schwer verständliche Quellen gesprochen werden! Die Autorin nimmt sich das Recht, ihre Erzählungen aus dem Bereich des Alten Testaments zu kommentieren, sodass wir einerseits die Geschichte selbst erfahren, sie aber andererseits einordnen können in die Zeit und in die Beweggründe der Ersterzähler. Dass der Text auch noch hervorragend illustriert ist, macht dies Buch umso empfehlenswerter. SEHR.
Beurteilungstext Der Kommentar unterscheidet sich auch äußerlich von der Erzählung: in kalligrafisch gestalteter Schrift und kursiv gesetzt, was wir bedenken müssen, wenn wir den Originaltext lesen bzw. diese Nacherzählung. Geschickt wird dabei nur angedeutet, dass wir es ja mit zwei Schöpfungsgeschichten zu tun haben, die unmittelbar hintereinander im ersten Buch Mose berichtet werden, und die sich in Einzelheiten gegenseitig ausschließen.
So wechseln sich Kommentar und Erzählung ab, werden nur einige Stellen des Alten Testaments genauer erzählt, die es in den Augen der Autorin wohl verdient haben. Dabei geht sie allerdings nicht auf - aus heutiger Sicht - logische Brüche ein. Ein Beispiel: Das erste Menschenpaar hat zwei Söhne. Der eine erschlägt den anderen und flieht in die Ferne, wo er die erste Stadt gründet und eigene Söhne bekam. Ja, wie denn wohl? Hier wäre ein weiterer Hinweis durchaus wünschenswert und sei es der, dass wir eben nicht mit unserer heutigen Logik an religiöse Texte gehen können. Sehr gut macht das die inzwischen über 80-jährige Sybil Gräfin Schönfeldt in Bezug auf die Sintflut. Hier berichtet sie vom Wasser als großen Zerstörer, tatsächlich auch von einer Flut im Zweistromland, zugleich aber von Sinnbildern, die die Geschichte um Noah transportieren.
Hält sie sich mit verschiedenen Kapiteln beim 1. Mose, Genesis, auf, so fasst sie Exodus, Levitikus und Numeri in einem längeren Kapitel zusammen. Der Auszug aus Ägypten und die Landnahme in Kanaan, die wahrscheinlich nachträgliche erdachte, erfundene, gefundene gemeinsame Geschichte der Stämme der Israelis: Wir gehören zusammen. Wir haben einen gemeinsamen Urahn, und seine Nachkommen sind Stammväter unserer Stämme.
Es folgen bekannte oder weniger bekannte Geschichten, von der Richterin Debora, von Simson und Delila, Saul und David, König Salomo, einige übersetzte Psalmen, Ausschnitte der Bücher Hiob, Daniel, Jona, Berichte der Propheten Elija und Jesaja.

Ein fast 30-seitiges alphabetisch sortiertes Glossar schließt sich an, das eine eigene Besprechung bezüglich der Auswahl verdiente; ein Inhaltsverzeichnis folgt am Schluss.

Bei einem derartig wichtigen und sehr gelungenen Buch kommen die Bilder in der Besprechung meist zu kurz, hier auch. Ensikat fügt ca. 40 ganzseitige Bilder ein, zeichnet mit feinem Strich seine Menschen mit Gesichtszügen, die auf den Charakter oder auf das Befinden in der Situation schließen lassen, stellt die Personen in eine liebevoll gestaltete Landschaft, fügt mehrfach einen gestalteten Rahmen hinzu, in dem sich in den oberen Ecken Hinweise oder eigene Anmerkungen finden lassen. Im Turmbau zu Babel wählt er die Vogelperspektive, zeichnet Stein um Stein um Stein nach unten und ein riesiges Rad in der Turmspitze, das von Manneskraft bewegt wird, um die Aufgaben des Krans erledigen zu können.
Die Titel der Kommentare wie die Initiale sind farblich in einem angenehmen Rot gehalten, kleine rechteckige Vignetten begleiten den Text, ohne ihn direkt zu illustrieren.

Es gibt viele Versuche, den Inhalt der Bibel auch denen nahe zu bringen, die sich (angeblich) nicht um Religion im Allgemeinen und dem Juden- und Christentum im Besonderen kümmern. Die meisten verbleiben in einer simplifizierenden Nacherzählung und verschütten mehr als sie aufdecken.
Dies Buch ist erfrischend anders. Auch wenn es nicht unbedingt den wissenschaftlichen Erkenntnissen folgt, so gibt es Korrekturen der Erzählung durch die Kommentare, und die oft leicht ironisierenden Bilder tun ihr Übriges.

Sehr zu empfehlen.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 uhb, Niedersachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
  Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
AJuM der GEW c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund