GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Andersen , Hans Christian
Titel Des Kaisers neue Kleider
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator Stuhrmann, Jochen
ISBN 978-3-522-43547-5 Reihe
Verlag Thienemann, Stuttgart, 2009
Seitenzahl Preis 12,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Märchen
Zielgruppe 4-5
6-7
8-9
Inhaltsangabe Ein eitler Kaiser geht mit seinem Hofstaat zwei Betrügern auf den Leim, die vorgeben, Kleidung aus einem Stoff zu weben, der für Dumme und Taugenichtse nicht sichtbar sei. Als der Kaiser schließlich seinen Untertanen die neuen Kleider vorführt, enthüllt ein Kind die Wahrheit des nackten Kaisers, der seine Blöße aushalten muss.
Beurteilungstext Hans Christian Andersens mehrdeutiger Märchentext über die Eitelkeit eines Mächtigen und seines Hofstaates wurde von Sonja Hartl gekürzt und leicht modernisiert, damit er für Kinder unserer Zeit verständlicher wird. So hat sie bereits den Anfang verkürzt, manche Passagen sinngemäß zusammengefasst und auch Wörter ausgetauscht. Beispielsweise wird der Rock durch das Gewand ersetzt und aus der Prozession wird ein Umzug. Der Zusammenhang der Handlung und die Botschaft des Märchens bleiben jedoch gewahrt. Der Illustrator Jochen Stuhrmann hat dem Märchen seinen Stempel aufgedrückt, indem er es in ein Tiermärchen verwandelt und somit der Fabel annähert, was für Kenner des Märchens etwas gewöhnungsbedürftig ist, aber auch seinem gleichnishaften Charakter entspricht und vielleicht dem heutigen Verständnis der Kinder mehr entgegenkommt. Die Illustrationen bereichern die Betrachter/innen, vertiefen den Sinn und Humor des Märchentextes und erweitern die Sehgewohnheiten. Auf dem Titelblatt grüßen Dachs und Fuchs als die beiden Betrüger mit einem Bild des nackten Froschkaisers. Der Frosch ist als Froschkönig eine Märchenfigur und so entspricht er auch hier augenzwinkernd einem Machtträger. Ein großer Schnittmusterbogen öffnet und schließt das Märchenbilderbuch und gibt den Kindern viel Gelegenheit zum Entdecken: Kleidungsstücke, unterschiedliche Linien und Zahlen mit Buchstaben sind zu sehen und bieten einen originellen Einstieg in das Märchen. Auch während der Handlung gibt es vieles zum Bestaunen und Erkennen. Unterschiedliche Perspektiven mit veränderten Figurengrößen sind zu sehen. Handlungsabläufe werden in einer Bildfolge umgesetzt, etwa wenn der Kaiser die vermeintlichen Kleider anzieht, was auch im Rollenspiel nachgestellt werden könnte. Die Charaktere der Figuren sind gut nachvollziehbar erfasst; der von sich eingenommene Kaiser, der in einer Wanne mit Seerosen badet oder der mit seinem Hasenminister Cricket spielt, womit an “Alice im Wunderland” erinnert wird; die listigen Betrüger, der ehrbare Minister Elefant mit englischer Richterperrücke und Lorgnon, die Mäuse als flinke Bedienstete. Auch die vier Stadtmusikanten tauchen als vorwitzige Bürger auf, welche das Treiben der Betrüger am Abend mit einer Leiter verfolgen wollen. Anspielungen an andere Märchen wiederum tragen dazu bei, dass das Märchengut vertieft wird. Einfallsreich gestaltet Jochen Stuhrmann auch die Inneneinrichtung. Allein die Garderobe mit ihren hohen Schränken und dem Zugmechanismus zum Befördern der Kleidung bereitet Freude beim Betrachten. Der leere Webstuhl mit den Schatzkisten, die Nähmaschine mit der Ankleidepuppe, das kleine Schnittmuster, die Schere und das Maßband zeigen auch die Detailgenauigkeit der Abbildung. Die Nacht ist in poetisches Blau getaucht, während im durch goldgelben Lampenschein erleuchteten Schloss gezeigt wird, wie vor dem Auge der Bürger/innen Fuchs und Dachs pantomimisch agieren. Die Schlussbilder verdeutlichen die Bloßstellung des Kaisers und die damit verbundenen Gefühle des Erschreckens und der Scham. Das Kind, welches im Angesicht der ehrfürchtig am Boden liegenden Untertanen die Wahrheit entdeckt, ist ein kleines Schweinchen. Es macht sich lustig über den Froschkaiser, dessen entsetztes Gesicht groß unter einem Baldachin zu erkennen ist. Das letzte Bild zeigt, wie unter dem Gelächter der nun aufrecht stehenden Untertanen der Froschkaiser schamrot den Umzug beendet. Hans Christian Andersen hätte sich bestimmt über die Illustration seines Märchens gefreut.
Bewertung

 

Rezensent

 Pg, Baden-Württemberg

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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