GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Macaulay, David
Titel Das große Buch vom Körper
Übersetzer / Originalsprache Hensel, WolfgangEnglisch
Illustrator Macaulay, David
ISBN 978-3-473-55247-4 Reihe
Verlag Ravensburger, Ravensburg, 2009
Seitenzahl 335 Preis 24,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
für Arbeitsbücherei
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Sachbilderbuch
Zielgruppe 12-13
ab 18
Inhaltsangabe Ein fantastisches Lehr- und Nachschlagebuch über den menschlichen Körper und seine Funktionen mit den Kapiteln Bausteine des Lebens (Aufbau der Atome über Zellen zu Eiweißen, Proteinen und dem Gewebe), Atmung, Verdauung, Nervensystem, Abwehr, Bewegung, Fortpflanzung. Großzügige, dynamische Zeichnungen zeigen die Bestandteile deutlicher als jede andere Form der Abbildung.
Beurteilungstext Mit großem Gestus werden die kleinsten Kleinigkeiten gezeigt, die ein Körper aufzuweisen hat. Die großzügigen Buntstiftzeichnungen in gewagten Perspektiven haben hier den deutlichen Vorteil, dass Zusammenhänge gezeigt werden können, die brave Abzeichnungen oder -Fotografien nie zeigen könnten und Computergrafiken sind geradezu seelenlos gegenüber diesen Handzeichnungen, die die Bewegung des Stiftes noch erkennen lassen. Ob man nun die Hinzufügungen mehr oder weniger amüsanter Art gut findet oder nicht: Sie zeigen beeindruckend, welche Ehrfurcht der große Zeichner und Illustrator vor den Konstruktionen der Natur hat: Das große Fußskelett zum Beispiel wird von Minimenschchen betrachtet wie eine gotische Kathedrale, staunend und ergriffen ob der Genialität von Ästhetik und Bauingenieurskunst.
Der Text stellt dagegen erhebliche Ansprüche. Er nimmt keinen Fachbegriff aus, syntaktisch bleibt er bei der klaren Sprache auch für die Jüngeren.
Nicht alle Begriffe werden im Anhang erklärt - man ist also auf einen guten Unterricht oder gute Biologiebücher angewiesen. Als Beispiel mögen hier die beliebig heraus gegriffenen Begriffe dienen: Sigmaschleife - Phospholipide - Endoplasmatisches Retikulum - Myosin oder auch die Geschmackskategorie umami, die noch nicht einmal in meinen großen Lexika auftaucht.
Das Grundprinzip Macaulay´s schlägt aber vergleichbare Lehrbücher für die Schule: Nicht der Aufbau der einzelnen Körperelemente ist ausschlaggebend, sondern deren Funktion und das Zusammenspiel mit anderen Teilen, und immer sind kurze, einprägsame Vergleiche gezogen zum Alltagsleben. Der Leser lernt also das System Körper kennen, die Einzelteile als Zusammenspiel aller begreifen.
Krankheiten werden nicht weiter erwähnt, auch hier geht es um das Ganze, das Prinzip: Wie reagiere ich auf die Verletzung durch eine Glasscherbe? - “Wie fühle ich” , erklärt Macaulay mit dem Gefühl, das ich durch eine Katze auf dem Schoß fühle - und zeichnet dazu einen ausgewachsenen Tiger auf dem Schoß eines Mannes. Was ist Panik? Was ist Erinnerung? Wie wehrt sich Haut gegen Verletzungen, gegen zu viel Sonne? Wie reagiert der Körper auf Bakterien, auf Viren? Was ist HIV?
Ein 9-seitiges Glossar erklärt die wichtigsten Begriffe, klar formuliert und knapp gehalten, ohne Formeln oder Daten
- aber eben nicht alle Begriffe.
Ein Register erleichtert das Nachschlagen - denn durchlesen wird ein junger Leser dieses dicke, großformatige Buch kaum, anders als ein Rezensent, aber zum Nachschlagen kann er es ein Leben lang gut benutzen.

Einen Appendix gibt es auch: Im fortlaufenden Text wird er nicht erwähnt, aber auf der letzten und nicht mehr nummerierten Seite 336 folgt hinter den Worterklärungen und dem Register der Appendix als Appendix mit der Erklärung, dass man so ganz genau eben noch nicht weiß, wofür der eigentlich gut sein soll.
Ein gelungener Schluss, Leser und Autor verstehen sich hier: Der Mensch ist ein Wunderwerk, das wir zwar weit gehend, aber immer noch nicht so ganz 100%ig verstehen.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 cjh, Berlin

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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