GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Fährmann, Willi
Titel Das Glück ist nicht vorbeigegangen
Übersetzer / Originalsprache / /
Illustrator Schneider, Frauke (Umschlaggest.)
ISBN 978-3-401-06530-4 Reihe /
Verlag Arena, Würzburg, 2009
Seitenzahl 220 Preis 18,00 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Autobiografie/Autobiografische Erzählung
Zielgruppe 12-13
14-15
16-17
ab 18
Inhaltsangabe Willi Fährmann blickt auf sein Leben zurück und auf die Bücher, die er schrieb, um die Welt ein wenig zu verändern.
Beurteilungstext Willi Fährmann, Träger fast aller Auszeichnungen im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur, hat seine Autobiografie geschrieben. Sie ist in die Rubriken “Kindheit”, “In der Fremde”, “Jugend” und “Halbwegs erwachsen” unterteilt, denen jeweils einzelne in sich abgeschlossene Geschichten zugeordnet sind. Der Autor erinnert sich an seine Kinderjahre in Duisburg, an die Reise in die Ursprungsheimat seines Vaters nach Ostpreußen, an den Aufenthalt im Lipperland nach der Bombardierung Duisburgs und an seine Lehr- und Ausbildungsjahre nach dem Krieg. Dabei kommt er trotz aller Schwierigkeiten, die er zu bestehen hat, zu dem Schluss: “Das Glück ist nicht vorbeigegangen”, wie dann auch der Titel der Autobiografie lautet.
Willi Fährmann, Jahrgang 1929, erzählt einzelne Episoden aus seinen Kinder-, Jugend- und Erwachsenenjahren, in denen er als Maurergeselle das Abendgymnasium besucht, in der katholischen Jugendgruppe Geborgenheit findet und zeitgenössische Literatur kennenlernt, Lehrer und schließlich anerkannter Schriftsteller von Kinder- und Jugendbüchern wird. Leser könnten zunächst irritiert sein, dass in Fährmanns Erinnerungen das spezifisch Unerhörte der Nazizeit, in der er lebte, nur angedeutet wird, “die gelb-braune Parteiuniform” des Lehreres z.B. wird erwähnt, “die klappernden Schritte des Elendzuges” vor dem Fenster, die der Vater mit “Am besten, man schaut nicht hin” abtut und die von dem Kind bald “in die Skala der gewohnten Geräusche eingeordnet” werden. Nur die Mutter öffnet das Fenster einen Spalt und “reichte irgendwas hindurch”, so lange, bis das Fenster “mit festen Brettern dicht vernagelt” wird. Jedoch sind es gerade die sparsamen Andeutungen, die das Erzählte so eindringlich wirken lassen, die zeigen, dass Kinder und Jugendliche dem menschenverachtenden Regime ausgeliefert waren und es nicht durchschauen konnten. Dass Willi Fährmann später zu einem Geschichtenerzähler wird, der immer auch ein Geschichte Erzählender ist, ist vor allem der Auseinandersetzung zu danken, die seine Generation mit den Verbrechen der Nazizeit zu leisten hätte und die er leistet. Willi Fährmann erinnert sich, dass er mit seinen Büchern “zumindest partiell die Welt verändern” wollte. Seinen Lesern wird ganz bestimmt “Der überaus starke Willibald” in Erinnerung bleiben, die Parabel vom Aufstieg und Fall eines Diktators und neben den anderen zeitgeschichtlichen Erzählungen vor allem “Es geschah im Nachbarhaus”, das längst und immer noch Schullektüre” ist, wie Fährmann selbst mitteilt, dessen Autobiografie ganz sicher auch ein Plädoyer für das Erzählen, Vorlesen und Selbstlesen ist und dafür: “Die Tür der Jugendliteratur zur Erwachsenenliteratur weit aufzustoßen.” Seine lesenswerte Autobiografie wird jedenfalls Leseneugier und -lust bei Menschen jeden Alters wecken.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 Wie, Hessen

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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