GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW

AJuM

Autor Verhelst, Peter
Titel Das Geheimnis der Nachtigall
Übersetzer / Originalsprache Pressler, MirjamNiederländisch
Illustrator Cneut, Carll
ISBN 978-3-414-82218-5 Reihe
Verlag Boje, Köln, 2009
Seitenzahl 72 Preis 24,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Märchen
Zielgruppe 10-11
12-13
Inhaltsangabe Der Kaiser von China ist so mächtig, dass er sich alle Wünsche erfüllen kann: Den allerprächtigsten Garten und sogar die Nachtigall, von deren betörendem Gesang er gelesen hat, wird gefunden und erfreut von nun an den Kaiser mit ihrer Stimme. Als jedoch eine mechanische Nachtigall nachgebaut wird, deren künstlicher Gesang den ganzen Hof begeistert, fliegt die echte davon. Da überfällt eine große Traurigkeit den Kaiser. Rettung kann nur der Gesang der natürlichen Nachtigall bringen.
Beurteilungstext Peter Verhelst hat in der Nachdichtung des Märchens von Andersen ganz bewusst den Titel geändert. Der lautet im dänischen Original nämlich ganz einfach "Die Nachtigall, während es im nacherzählten Märchen heißt "Das Geheimnis der Nachtigall". Das Geheimnis besteht in der heilenden Kraft des natürlichen Nachtigallengesangs. Die rührt von den winzigen Flämmchen, die die Nachtigallen in ihren Kehlen haben. So heißt denn auch der niederländische Originaltitel "Heet Geheim van de Keel van de Nachtegaal". Dieses Flämmchen konnte der kaiserliche Musikintrumentenbauer nicht in die künstliche Nachtigall installieren, und so konnte diese den Kaiser auch nicht aus seiner tödlichen Traurigkeit erlösen.
Geändert hat Verhelst auch die Erzählperspektive. In der Nachdichtung wird das Märchen von einem einfachen, kleinen Küchenmädchen erzählt, das mit den Kräften der Natur im Bunde steht und deren Freundin die Nachtigall ist. Dessen poetische Erzählweise wird vermutlich kleine Leser und Zuhörer mehr ansprechen als die weitaus weniger blumige Sprache Andersens. Auch erzeugt die Schilderung der kleinen Chinesin eine, dem Original fremde, Spannung, besonders an den Stellen, wo sie von der ungeheueren Traurigkeit berichtet, die den Kaiser und später das ganze Reich befallen hat. Der bei Andersen auftretende Tod wird in der Nachdichtung vom Begriff der Traurigkeit ersetzt, worunter Kinder sich mit Sicherheit mehr vorstellen können.
Quintessenz des "neuen" Märchens ist die Gegenüberstellung von politischer Macht, die zwar vieles, aber letztlich doch nicht alles bewirken kann, und der natürlichen Kreativität mit ihren Emotionen freisetzenden Kräften. Auf der einen Seite der mächtige Kaiser mit seinem erstarrten Hofstaat, auf der anderen die kleinen Unscheinbaren, repräsentiert vom bescheidenen Gärtner, dem kleinen Küchenmädchen und natürlich von der grauen Nachtigall und ihren Gefährtinnen.
Diese Atmosphäre versucht auch der Illustrator Carll Cneut in seinen wunderbaren Bildern umzusetzen. Da entfaltet sich ein Rausch von Farben in den Bildern vom kaiserlichen Garten der Gärten. Einmal in der Künstlichkeit seiner arrangierten Blumen und am Ende in seiner wuchernden Natürlichkeit. Traumhaft auch die Nachtbilder im Mondenschein. Bei der Beurteilung der Darstellung der marionettenhaft agierenden Hofgesellschaft wird es mit Sicherheit unterschiedliche Meinungen geben. Die Gesichter der Höflinge sind nie schön im landläufigen Sinn, sondern eher fratzenhaft oder karikaturesk. Sie visualisieren jedoch die im Text geschilderten Charaktere. Vielen Kindern mögen sie befremdlich erscheinen, da sie nicht den herkömmlichen Märchenfiguren entsprechen. Auch die Erzählerin, das kleine Küchenmädchen, stellt man sich vielleicht anders vor. Ein Gesprächsanlass darüber ist dies aber beim gemeinsamen Anschauen allemal.
Ein Märchenbuch der besonderen Art. Sowohl vom hintergründigen Inhalt, als auch von der Illustration.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 bifi, Bayern

  in der AJuM Datenbank Ja
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Die Rezension ist der Datenbank unter  www.ajum.de entnommen.
 
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